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2014/05/27

Lieber Henri

Es ist höchste Zeit, dass ich mal wieder was von mir hören lasse. Sind noch ein paar von euch übrig da draussen? Mit zwei Kindern kommt man zu nix, hätte mir ja mal jemand sagen können...

Henri hat es verdient, das auch seine Entwicklung regelmässig festgehalten wird. Schlimm genug, dass ich erst jetzt damit anfange, er ist ja schon unglaubliche fünf Monate alt!


Also:

Lieber Henri, 
du machst uns so viel Freude, das ist nicht zum aushalten. Nie hätte ich gedacht, mal zwei gesunde, quirlige Kinder zu haben. Ich danke wirklich jeden Tag dem Universum dafür.
Du bist jetzt fünf Monate alt und strahlst uns fast den ganzen Tag von einem Ohr zum anderen mit diesem charmanten, breiten Babylächeln an. Seit einer Woche haben sich noch zwei kleine Hasenzähne unten dazu gesellt, und man möchte eigentlich den ganzen Tag nur in dich reinbeissen. Anscheinend produziere ich Sahne, denn du hast dich zu einem stattlichen Michelin-Männchen gemausert- inclusive Speckbeinchen und Hamsterbacken. Es ist einfach zu schön! Ich weiss wirklich nicht, womit ich das verdient habe, aber du bist ebenso entspannt wie dein Bruder als Baby- du schläfst gut, das stillen klappt und meistens bist du zufrieden und mopsfidel. Manchmal, wenn du nicht in den Schlaf findest, meckerst du lautstark und ungeduldig, aber ich weiss zum Glück genau, in welcher Position du dann auf meinem Arm liegen musst, und dann kriegen wir auch das hin. Drehen kannst du dich auch schon, und am liebsten verrenkst du dann dein kleines Köpfchen in Richtung deines grossen Bruders. Levi ist super interessant und super witzig, selbst wenn du schlechte Laune hast. Wenn Levi dich ansieht, fängst du an zu grinsen. Er beugt sich dann ganz nah zu dir heran, und flötet völlig affektiert und übertrieben: "Jaaaa, halloooo, naaa?" Da fühlt man sich als Erwachsener natürlich sofort ertappt und peinlich berührt. Es fällt einem direkt auf, wie affig man sich manchmal einem Baby gegenüber verhält. Aber Babys lieben das doch so, oder? Sag jetzt nichts falsches! Ich möchte mich auch nicht ins Fettnäpfchen bei dir setzen, aber du bist, nun ja, ein ganz schöner Brocken. Mittlerweile sind wir bei Kleidergrösse 74-80 angelangt und das trug dein grosser Bruder erst mit einem Jahr. Im Winter! Folglich habe ich jetzt eine schöne Winterjacke, dicke Strumpfhosen und diverse Pullover unnütz hier herumliegen. Na gut, überredet-ich gehe los und kaufe etwas sommerliches. 
In deinem Leben hast du bisher ganze zweimal im Kinderwagen gelegen, meistens trage ich dich nämlich im Tuch. Oder dein Papa. Ja, der macht das auch. Und zwar gerne. Er fühlt sich bei so einem Spaziergang zwar wie ein Affe im Zoo, weil anscheinend noch niemand einen Vater mit Baby im Tuch und Kleinkind an der Hand gesehen hat (dabei hat mein Hippie-Vater das schon in den Siebzigern vorgemacht! Auf dem Dorf!), aber das hindert deinen Papa überhaupt nicht. Im Gegenteil, er liebt diese Spaziergänge mit euch beiden alleine, das kann ihm auch nicht das unverhohlenste Starren verderben. Einen tollen Papa hast du! Am Wochenende schleicht er sich frühmorgens, wenn du frisch gestillt wurdest, an meine Bettseite wo du im Beistellbett oder meiner Seite (meistens) liegst, und entführt dich aufs Sofa, damit ich auch noch ein bis zwei Stündchen Schlaf mit etwas mehr Platz und ohne Babygeräusche geniessen kann. In der Spielgruppe jammerte eine Mutter neulich, dass diese ständige Nähe nachts (ihr Baby brauchte auch beim schlafen viel Körperkontakt) total auf den Senkel gehe, und sie das super-anstrengend fände. Das empfindet natürlich jeder anders. Mir macht das jedenfalls nichts aus. Ich hab euch gerne bei mir, und ich halte auch gerne deine Hände nachts, wenn du mal wieder so doll damit fuchtelst und dich selbst aufweckst (aus dem fantastischen Puck-Schlafsack der ersten Monate bist du Moppel ja leider schon rausgewachsen). Also, ich halte deine Hände und spüre deinen Atem und jede Bewegung und stille auch noch zwischendurch und es ist überhaupt nicht schlimm. Ich mache das gerne für dich, denn ich kann das verstehen. Ich verstehe, dass es alleine im Bett einsam ist, ich verstehe, dass man, wenn man so klein ist, immer in der Nähe der Mama (oder des Papas)sein möchte und ich verstehe, dass die Welt noch riesig und manchmal beängstigend ist und man sich deshalb ständig rückversichern muss. Alles ist gut. Wir lieben dich, du bist toll!
Love, Mama

2013/10/29

schlafen

Ich hatte in einem früheren Post ja schonmal erzählt, dass Levi sein eigenes Tempo bei allem hat und wir ihm auch immer gerne soviel Zeit lassen wie er braucht. Im selben Zuge kündigte ich großspurig an, ihn endlich langsam in sein eigenes Zimmer umzubetten (nachzulesen hier), denn bei uns ist bis jetzt co-sleeping angesagt, und mein Mann und ich sind grosse Fans und Verfechter desselben.
Aber mit dem neuen Baby im Anmarsch hatten wir uns in den Kopf gesetzt, den Kleinen in naher Zukunft an sein eigenes Bett zu gewöhnen. Wie das jedoch so ist, fanden wir die verschiedensten Ausreden um es vor uns herzuschieben.'Er schläft gerade so schön durch' und 'Ach, es ist aber auch so gemütlich' waren noch die plausibelsten. 'Er ist noch nicht so weit' (aka: wir sind noch nicht soweit), war schon etwas gewagter. Denn in Wirklichkeit waren wir natürlich einfach zu faul,unseren heiligen Nachtschlaf eventuell für einige Zeit zu opfern, um ihn umzugewöhnen. Ausserdem schlief er ja tatsächlich bestens seine zwölf Stunden durch, und es ist und bleibt einfach total gemütlich.
Tja, heute Mittag allerdings legte Levi sich in sein Kinderbett im Kinderzimmer, verlangte nach Dada, Elmo und einem Schnuller, und deutete auf den Rollladen, den ich doch bitte herunter lassen möge. Und dann schlief er nach exakt fünf Minuten singen (meinerseits) ein. Und da liegt er jetzt. Und schläft und schläft.
Wie gesagt, er hat einfach sein eigenes Tempo, und damit fahren wir alle, und ohne Stress, ziemlich gut.
Love, Blinki

2013/10/24

Spielgruppe Part II

Also, mit der Spielgruppe ist das so eine Sache. Levi ist jetzt 21 Monate alt, und in dem Alter sind fast alle seiner Babyfreunde schon in der Kita. Wie ich in einem früheren Post (nachzulesen hier) schon beschrieben habe, haben wir uns bewusst dagegen entschieden. Um Ihm später den Übergang in den Kindergarten leichter zu machen, haben wir ihn in einer Spielgruppe angemeldet, welche zweimal die Woche vormittags von neun bis zwölf Uhr geht. So weit so gut. Der Raum ist freundlich, die Erzieherinnen toll (meine Favoritin hat sogar eine Montessori - Ausbildung), und Levi spielt, solange ich in der Ecke sitze und mich nicht in Richtung Tür bewege, lustig vor sich hin. Es wird gemeinsam gefrühstückt, geknetet, gebastelt, und getobt.
Das wäre alles wunderbar, WENN da nicht die anderen Mütter wären. Zu anderen Eltern habe ich ja sowieso ein gespaltenes Verhältnis. Mich nerven die Vergleiche ("Was? Dein Kind kann noch nicht krabbeln/ laufen/ Mandarin-Chinesisch/ Klarinette spielen?") und das gegenseitige beurteilen und verurteilen. Vor allem aber nervt mich dieser Dogmatismus zu manchen Themen, in denen sich einige Muttis auch in Internetforen gerne gegenseitig zerfleischen.
Aber zurück zur Spielgruppe. Ein grosses Thema ist dort gerade selbstverständlich die Eingewöhnungszeit und die Frage, wie man diese am besten handhabt. In unserer Mausgruppe gibt es vier Kategorien Mütter (und Kinder), die diese Phase ganz unterschiedlich angehen:

1. Mutter liefert das Kind schon seit dem zweiten Treffen morgens ab, verabschiedet sich und kommt um zwölf wieder. Ein paar Kinder stecken das gut weg und sind gut zufrieden.
2. Mutter liefert das Kind ab und geht, oder bleibt bis nach dem Frühstück und geht. Kind weint zwei Stunden durch.
3. Mutter sitzt noch mit in der Spielgruppe und beschwert sich bei den anderen Müttern, dass das viel zu langsam geht und sie endlich in Ruhe einen Kaffee trinken gehen möchte. Mutter hat die Nase voll und geht mit den anderen eine Stunde Kaffee trinken. Kinder weinen herzzerreissend und sitzen der Rest der Zeit schmollend auf dem Schoss der Mutter. Mütter unterhalten sich weiter und ärgern sich darüber wie unselbstständig die Kinder sind.
4. Mutter sitzt ruhig in einer Ecke und beobachtet ihr Kind beim spielen. Kind kontrolliert durch  Seitenblicke, ob die Mutter noch da ist und spielt weiter. Mutter bewegt sich nicht.


Jetzt ratet mal, welcher Typ ich bin? Richtig. Nummer vier. Seit ich mich geweigert habe, auch nur kurz raus zu gehen, finden die Mütter Nr.3 mich blöd
("der beruhigt sich schon, los, der muss sich nur ausmeckern"), und dass es ausserdem doof und ungerecht ist, wenn eine einzelne Mutti noch im Raum sitzt, weil das die anderen Kinder daran erinnert, dass die eigene nicht mehr verfügbar ist.
Kann ja sein. Aber soll ich Levi deshalb unnötig Verlustängste entwickeln lassen? Ich finde nämlich, die Eingewöhnung läuft so ganz optimal: er wird jedesmal sicherer, prüft seltener wo ich bin, und orientiert sich immer mehr an unserer lieben, geduldigen Montessori-Oma. In den nächsten Wochen werde ich irgendwann erstmal für zehn Minuten rausgehen, dann für zwanzig und das dann langsam und kontinuierlich steigern, bis er mich quasi aus der Tür schiebt um mich loszuwerden. Langfristig halte ich das für geschickter als die Hau-Ruck-Methode, bei der die Kinder nur lernen: zwei Stunden weinen nützt auch nix, die Mama kommt erstmal nicht wieder. Und dann wundert sich eine Mutter der Kategorie 2, dass das Kind sich unterm Bett versteckt, wenn es beim Frühstück heisst: gleich gehts wieder ab in die Mausgruppe!
Zum Glück habe ich die volle Unterstützung der Erzieherinnen. Unsere Montessori-Oma ist sowieso total begeistert von Levi ("ein Original, ein Individualist, was für ein feiner Kerl!")und wunderte sich schon offen über die anderen Mütter: so eine unterschiedliche Truppe hätte sie noch nie gehabt. Als ich verschämt anmerkte, dass diese es vermutlich nicht so toll findet, wenn ich die Gruppendynamik sprenge, in dem ich mich dem schreien-lassen und einfach rausgehen verweigere, sagte sie bestimmt: "Die sollen mal was sagen, denen erzähle ich aber was! Lass dir dein Kind nicht kaputt machen!" Seitdem bin ich entspannter und ziehe die Eingewöhnung weiter so durch wie bisher.
Wie seht ihr das? Hat jemand ähnliche Erfahrungen gemacht?
Love, Blinki

 

2013/10/15

Spielgruppe

Mensch, zu Levis Spielgruppe habe ich ne Menge zu erzählen. Schaffe ich aber heute einfach nicht, ich bin zu müde. Stichwort: Backenzähne. Und zwar nicht meine, ich habe sie alle schon. Mache ich aber ganz bald, versprochen! Nur eins vorneweg: andere Eltern, andere Sitten. Und ich bin schon wieder die Hippie-Glucke. Tschakka!

2013/08/14

Immer schön langsam

Levi hat sein eigenes Tempo, und das ist auch gut so. Wir haben uns zum Glück nie von Aussagen wie "er müsste jetzt schon dieses oder jenes, aber AUF JEDEN FALL das hier können oder machen" beinflussen lassen, sondern einfach darauf vertraut, dass das schon irgendwie wird. Und es wurde. Wie mit dem Trinken aus dem Becher (Kinderarzt: "jetzt mit neun Monaten sollte er Wasser nur noch  aus dem Becher, nicht aus Babyflaschen oder Schnabeltassen oder ähnlichem trinken). Levi hat das aber überhaupt nicht eingesehen und sich strikt geweigert. Und nachdem er sich den Inhalt seines Bechers diverse Male hingebungsvoll über dem Kopf ausgeleert hat, hatten wir ein Einsehen und beschlossen, dass er gerne noch einige Zeit aus dem Trinklernbecher trinken kann wenn er mag. Zwingen und krampfhaft üben wollten wir das nicht. Wozu? Auf ein paar Monate kommt es da doch nicht an. Und siehe da, irgendwann nahm er den Becher fest in seine beiden kleinen Hände und trank, als hätte er nie ein anderes Gefäß dafür benutzt. Und so geht es uns mit fast allen Dingen. Irgendwann macht er es von alleine, wir bieten ihm Dinge immer mal wieder an, er weiß, dass es sie gibt, Äpfel zum Beispiel (da wird noch immer stumm der Kopf geschüttelt), und wenn er soweit ist, gibt er das Signal. Und so haben wir so gut wie nie Stress. Natürlich gibt es Dinge, wo es keine Diskussion gibt, beim Zähneputzen zum Beispiel, aber zum Glück macht ihm das Spass und er ist sehr ambitioniert bei der Sache.
Manche Signale übersehe ich natürlich geflissentlich. Zum Beispiel hat er mich schon einige Male deutlich wissen lassen, dass er so was von bereit für ein großes Stück Sahnetorte oder das Riesen-Klettergerüst auf dem Spielplatz wäre. Da schüttle ich dann einfach stumm den Kopf.
Beim alleine, im eigenen Zimmer, schlafen ist es genauso. Wie ich schon des öfteren erwähnt habe, ist Levi ein wirklich guter Schläfer. Wir praktizieren ja das co-sleeping im großen Familienbett, und das klappt ganz wunderbar. Der Kleine schläft (wenn er nicht gerade Zähne bekommt oder krank ist) um die zwölf Stunden durch. Und zwar richtig durch, ohne zu mucken. Bisher jedenfalls. In letzter Zeit ist uns aufgefallen, dass er immer genau dann einen unruhigeren Schlaf bekam und anfing sich zu wälzen, wenn wir zu ihm ins Bett gekommen sind. Und so langsam haben wir das Gefühl, dass er bereit ist alleine zu schlafen. Das kommt insofern gelegen, als im Dezember ja sein kleiner Bruder zur Welt kommt und dann auch mit ins (Beistell)Bett zieht. Und Levi soll ja nicht das Gefühl bekommen, dass wir ihn aus unserem Schlafzimmer rausschmeissen weil ein neues Baby einzieht, deshalb muss das umquartieren in den nächsten Wochen stattfinden. Also ist unser nächstes großes Projekt das alleine schlafen im eigenen Zimmer. Allerdings halte ich nichts von Schlaflernprogrammen und schon gar nichts vom schreien lassen, auch nicht für kurze Zeit. Und schlafen lernen muss Levi ja auch nicht, das kann er schon ganz prima. Er soll ja nur lernen, im eigenen Zimmer zu schlafen. Und er soll lernen, dass das nicht heisst, das er plötzlich nachts alleine ist. Er kann sich darauf verlassen, dass wir immer sofort zur Stelle sind, wenn er uns braucht.
Ich habe mir als Lektüre das Buch "Besucherritze" von Eva Solmaz zugelegt und bin begeistert. Meine Theorie, dass das schreien lassen traumatisch für Kinder sein kann, und sie nicht lernen zu schlafen, sondern dass die Mama einfach nicht kommt wenn sie rufen, wird hier durch diverse Studien eindrucksvoll belegt. Das Buch hat mich noch darin bestärkt, dass Levi den Übergang als so sanft wie möglich empfinden soll, und wenn überhaupt, als aufregenden Schritt zum "großer Junge" Dasein.
Die Autorin beschreibt, dass Kinder, wenn schreien gelassen, irgendwann aufhören zu weinen und einschlafen. Aber nicht weil sie gelernt haben alleine einzuschlafen und das ok finden, sondern einfach weil sie resignieren und aufgeben. Wie traurig ist das denn bitte? Wieviel Verlustängste und Bedürfnisse werden denn da ignoriert? Die Autorin schlägt das "bindungsorientierte Schlafenlernen" vor: sobald as Kind signalisiert, dass es einen braucht, kehrt man unverzüglich zu ihm zurück und gibt ihm alle Nähe, die es verlangt. Man nimmt es auf den Arm, singt noch etwas vor, was auch immer. Vielleicht ist das etwas langwieriger und anstrengender als andere Methoden (oft wird empfohlen, das Kind auf keinen Fall aus dem Bett zu nehmen), aber hier lernt das Kind: "ich kann mich auf meine Eltern verlassen und brauche keine Angst zu haben-wenn ich rufe, kommen sie." Studien besagen, dass Kinder, deren Mütter sofort reagieren, auf lange Sicht länger und besser schlafen. 
Ich bleibe ja bis heute neben Levi sitzen bis er eingeschlafen ist. Ich singe ihm ein paar Lieder vor, und meistens schlummert er noch währenddessen sanft und selig ein. Das werde ich auch in Zukunft so machen, und dann mal schauen was passiert. Vielleicht ist der Umzug in sein eigenes Zimmer für ihn einfach nur aufregend und schön. 
Ich glaube, er ist soweit. Und ich bin es auch.
Nächste Woche geht es los. Wünscht mir Glück!
Love, Blinki

2013/04/24

Kitapopita

Ein ähnlich heikles Thema wie das attachment parenting ist ja die Kita- Frage. Denn auch hier gerät  man immer in Erklärungsnot oder zumindest ins Kreuzverhör, wenn man locker erzählt, dass das eigene Kind nicht in die Kita, sondern erst mit drei in den Kindergarten gehen wird."Hääää? Wieso das denn?" ist die gängige Frage auf diese Offenbarung. "Weil wir das so wollen!" ist die Antwort,die noch mehr Unverständnis hervorruft. Da wundere ich mich dann mal wieder. War das nicht früher ganz normal? 
Versteht mich nicht falsch: ich finde Kitas toll und richtig, und jede Familie sollte auch hier das machen, was für sie am besten funktioniert. Und als alte Emanze möchte ich auch noch betonen, dass es für die Unabhängigkeit der Frau total wichtig ist arbeiten gehen zu können, wenn sie muss oder möchte, und ihr Kind dabei gut betreut zu wissen. In Skandinavien oder Frankreich ist das eine Selbstverständlichkeit, schon bei sehr kleinen Kindern.
ABER: wir machen es halt anders. Ich habe mich bewusst entschieden, die ersten drei Jahre komplett zu Hause zu bleiben um mich um Levi zu kümmern. Ich finde es einfach schön, ihn aufwachsen zu sehen und jeden kleinen Entwicklungsschritt aus erster Hand mitzubekommen. Vor ein paar Tagen hat er auf dem Spielplatz das erste mal genüsslich eine Handvoll Sand gegessen-nicht auszudenken wenn ich das verpasst hätte! Von ersten Schritten, ersten Worten und so vielem mehr mal ganz zu schweigen. Ich bin natürlich in der glücklichen Situation, dass wir das können. Mir ist schon bewusst, dass einige auch lieber länger zu Hause blieben, aber Angst um ihren Job haben oder einfach Geld verdienen müssen. Und andere Wollen gerne arbeiten, weil ihnen die Decke zu Hause auf den Kopf fällt und das ist auch verständlich und völlig in Ordnung.
Meine Mutter ist Lehrerin. Und damals, in den Siebzigern, sechs Wochen nach beiden Geburten wieder arbeiten gegangen. In der Zeit hatten wir dann eine Betreuung, die dann zu uns nach Hause kam. Die Vorläuferin der modernen Tagesmutter sozusagen. Geschadet hat es uns nicht, und auch die Bindung zu meiner Mutter war ganz normal und eng. Aber ich hätte das mit Levi einfach nicht gekonnt,zumal ich ihn ja auch voll gestillt habe. Und so einen kleinen Wurm in fremde Hände (egal wie liebevolle)zu geben, hätte ich nicht übers Herz gebracht.
Unser Modell sieht so aus: im Moment haben wir das klassische Rollenmodell: ich bin zu Hause, mein Mann arbeitet. Ab September (mit 20 Monaten) geht Levi an zwei Vormittagen in der Woche von 9.00 bis 12.00 in eine Spielgruppe zur Vorbereitung auf den Kindergarten, der geht dann ganz normal mit drei Jahren los. 
In unserer Muttirunde bin ich übrigens die einzige, die das so macht. Alle anderen Kinder gehen in die Kita. Der erste mit acht Monaten schon letzten Sommer, die anderen jetzt mit 15,16 Monaten. Da frage ich mich immer: warum sind wir solche Exoten? Manchmal kommt es mir so vor, als gehöre es einfach dazu, oder zum guten Ton das Kind in die Kita zu geben, auch wen man das wirtschaftlich nicht muss. 
Und überhaupt, verpasst Levi jetzt etwas? Ich glaube nicht.
Kontakte zu anderen Kindern hat er jede Menge: jeweils einmal die Woche Muttirunde, Musikgarten und Turnen. Und er hat Zeit mit mir: Zeit, in der wir spielen, tanzen, backen und Quatsch machen. Diese Zeit bekommen wir so nie wieder, und haben dadurch eine besondere, schöne Bindung.
Ich denke, für ihn ist diese sanfte Methode des Übergangs einfach die beste Form. Denn, wie unsere charmante Französin aus der Muttirunde gerne sagt: "Cherie, Levi ist einfach sensibel".Und das stimmt, er ist sensibel und anhänglich und lieb.
Diese drei Jahre mit mir zu Hause, die schenke ich uns beiden. Ab dem Kindergartenalter sind die Kleinen dann ja sowieso quasi aus dem Haus: Schule, Sportverein, Freunde-da ist die Mutti irgendwann abgemeldet. Und das ist ja auch gut so.
Aber diese ersten drei Jahre, die gehören uns.

2013/04/05

attachment parenting

In der aktuellen Printausgabe der Eltern geht es um die bedürfnisorientierte Erziehung: zehn Familien haben getestet, wie es ist, 20 Tage lang das Baby nach Bedarf zu stillen, im Familien-, oder Beistellbett schlafen zu lassen, das Kind in den Schlaf zu begleiten, es nicht schreien zu lassen und auch noch soviel wie möglich zu tragen. 
Der zuständige Experte fragte sich vorher, ob sich wohl so viele Familien finden liessen, die sich auf ein Experiment dieser Art einlassen würden, da so ein Ansatz für die meisten Eltern heutzutage ja radikal erscheinen müsse. Passend dazu lautet der Titel auch provokant: 'Wenn das Baby der Boss ist'. 
Also, bei uns ist niemand der Boss, und wenn überhaupt, dann mein Mann und ich- denn wir sind schliesslich die Erziehungsberechtigten. Und trotzdem wundert es mich, dass die oben genannten Punkte vielen Menschen anscheinend fremd, oder völlig neuartig erscheinen. Wir haben uns nie hingesetzt und festgelegt, wie genau wir unser Baby erziehen wollen. Liebevoll und konsequent, das war klar. Aber sonst? Das wollten wir auf uns zukommen lassen, und schauen was sich für alle drei gut anfühlt. Als Levi dann da war, erschien vieles der bedürfnisorientierten Erziehung einfach völlig natürlich und selbstverständlich. Und, ehrlich gesagt, auch einfach praktischer! So haben wir einfach aus dem Bauch heraus entschieden, das Kind im Beistellbett (und später im Familienbett) schlafen zu lassen. Weil das Kinderzimmer zu weit von unserem Schlafzimmer entfernt ist, und ich zum stillen nicht jedesmal aufstehen wollte. Eine Frau braucht ihren Schlaf-und am Anfang hat man davon ja eh viel zu wenig. Später dann war es einfach gemütlich (ich empfehle allerdings auch ein 1,80 Meter Bett wie bei uns). Den kleinen Wurm, gerade erst aus dem warmen, sicheren Bauch geschlüpft, ganz alleine in ein für ihn riesiges, weit von den Eltern entferntes Bett zu legen, hätten wir nicht übers Herz gebracht. Und stillen NICHT nach Bedarf-gibt es das überhaupt? Dann wäre ich ja übergelaufen, und wozu sollte man so ein kleines Wesen denn warten lassen? Wo Levi doch sowieso bei jedem Hüngerchen schon dachte, er würde verhungern und das auch lautstark kund getan hat. Dann stillt man halt mal unterwegs, na und? Muss ja nicht jeder sehen, wenn einem (so wie mir) das unangenehm ist. Ich sage nur soviel: Karstadt und C&A haben sehr geräumige Umziehkabinen! H&M kann ich nicht empfehlen, in dem Licht hatten sogar meine Oberarme Cellulite, und wenn man da sitzt und stillt, hat man genug Zeit jede Beule ausgiebig zu bewundern.
Schreien lassen kam sowieso nie in Frage, und da Levi sich am Anfang nicht ablegen liess, habe ich meinen Sohn die ersten Monate fast ausschliesslich getragen. Ich hatte das Gefühl, dass er die Nähe einfach brauchte, und da so ein kleiner Wurm erstmal ankommen muss in der Welt und sowieso nicht aus Berechnung schreit, habe ich ihm alle Nähe gegeben die er verlangte. Mich überrascht diese Diskussion auch insofern,als Dinge wie feste Mahlzeiten, schlafen im eigenen Bettchen oder der Kinderwagen alles Produkte der Moderne sind. Kinder sollen so früh wie möglich dazu erzogen werden selbstständig zu sein, und nicht zu nerven. Wehe, sie bringenden schön kultivierten Tagesablauf durcheinander! Aber warum? Kinder sind genau dafür da, sie brauchen viel Nähe, Zuwendung und Geborgenheit. Sie sind eben nicht sofort selbstständig, sonst hätte Mutter Natur es so eingerichtet, dass sie nach der Geburt wie ein kleines Fohlen einfach aufstehen und losrennen.
Ich habe das Gefühl, dass die Form des "attachment parenting", die wir (bisher unbewusst) verfolgen, aus unserem Baby ein sicheres, geborgenes und zufriedenes Kind gemacht hat. Natürlich respektiere ich alle anderen Ansätze,denn jedes Kind und jede Familie ist anders, würde mir aber wünschen, dass man nicht mehr als Exot gilt, wenn das Kind noch mit 15 Monaten im Elternbett schläft, es immer noch nicht schreien gelassen wird, und wir Abends bei ihm sitzen und ihn in den Schlaf begleiten. Nur tragen, tragen kann ich den kleinen Klops wirklich nicht mehr.
Was meint ihr dazu? Ich würde zu gerne eure Meinungen hören!
Love, Blinki