Ihr Lieben,
wir sind im Renovierungschaos angekommen, das neue Haus ist eine riesige Baustelle. Oder, wie meine Freundin Biggi treffend bemerkte: "Man braucht ein wenig Phantasie, um sich das Endergebnis vorzustellen." Wie wahr! Es muss ungefähr alles gemacht werden: Fenster, Türen, Böden, Bad, Wände, Küche- alles! Das geht natürlich einher mit jeder Menge Entscheidungen die getroffen werden wollen, so haben mein Mann und ich kürzlich tasächlich geschlagene 40 Minuten über die perfekte Anbringungshöhe für das WC diskutiert! Und dann sind da noch die Handwerker. Was man da alles erlebt! Heute war zum Beispiel ein Tischler da, der sich die alte Holztreppe und den Dielenboden mal anschauen sollte. Bei allen Gestaltungsideen meinerseits machte er abfällige Kotzgeräusche und rollte die Augen (ich: "in der Küche stelle ich mir vor die Dielen weiss zu lackieren und die Wand in grau..."-er:( Finger im Hals) "bääääh" (würg)! Oder: ich "bei der Treppe fänd ich es ja ganz schick alles in weiss zu halten und den Handlauf anthrazit..."- er (grosse Augen): "Iiiiiiieh, bah". Das fand ich jetzt nicht so sympathisch! Immerhin hatte ich ihn nicht nach seiner Meinung zur Optik, sondern zu der Machbarkeit und den Kosten befragt. Denn wenn wir so anfangen, hätte ich ihn nach dem ersten Blick auf seine Dreiviertelhose sofort wieder nach Hause geschickt! Mal sehen, ob das was wird. Ein weiterer Tischler, er war vor ca 3 Wochen da, ist beim Sprechen fast eingeschlafen, und ich auch. Da hatte ich dann Sorge, dass er beim arbeiten ähnlich fix ist und wir haben von einem Auftrag abgesehen. Allerdings hat er es bis heute auch noch nicht geschafft den versprochenen Kostenvoranschlag zu schicken.
Dann haben wir noch einen Badinstallateur, der praktischerweise gleich nebenan wohnt, und für uns die Heizung und eben das Bad erneuert. Er kommt immer mit praktischen, offenen Sandalen (mit Socken, is klar) bei uns vorbei, um noch "schnell mal etwas zu besprechen". Den finde ich aber super! Er sieht auf den ersten Blick nicht aus wie ein Design-Guru, aber seine Vorschläge haben unseren Geschmack auf Anhieb getroffen. Wer hätte das gedacht? ("Hier ist die Liste von Herrn H. Vermutlich gefällt uns nix, das sind bestimmt ganz furchtbare Sachen, obwohl sie so teuer sind." Kurz darauf: "Mist, hast du das gesehen? Da ist alles GENAU so wie wir uns das vorgestellt haben!")
Man darf gespannt sein. Aber es macht natürlich auch ganz viel Spass, sich alles so zu gestalten wie man möchte. In diesem Haus werden unsere Kinder aufwachsen, es wird für sie hoffentlich ein kuscheliges Heim sein, in das sie auch später gerne von Zeit zu Zeit zu ihren leicht senilen Eltern zurück kommen werden. Hier
wird Henri laufen lernen und Levi seinen ersten Milchzahn verlieren.
Sie werden in unserer kleinen Sackgasse Fahrrad fahren lernen und an St.
Martin mit ihren Laternen um die Häuser ziehen. Sie werden in dem
kleinen Wäldchen nebenan mit ihren Freunden Abenteuer erleben und im
Park Fussball spielen. Sie bekommen eine Schaukel und einen Sandkasten und wir werden im Sommer zusammen auf der Dachterrasse grillen und im Winter in der Küche (mit weissen Dielen!) Weihnachtsplätzchen backen.
Sie werden ihre Kindheit und Jugend hier verbringen, und ich werde alles geben, diese so idyllisch und sorgenfrei wie möglich zu gestalten. Es ist irgendwie verrückt, das wir genau hier, in einer Vorstadt in der Provinz sesshaft werden, wo mein Mann und ich doch schon an so vielen Orten gelebt und gearbeitet haben. Für unsere Kinder dagegen wird es erstmal alles sein, was sie kennen. Vielleicht ist das auch gut so, denn raus in die Welt werden sie früh genug gehen, und das sollen sie auch. Und bis dahin werden sie behütet in einer kleinen, bürgerlichen Siedlung aufwachsen, mit einem grossen Park, mit Ententeichen und einer Schule zu der man bequem, und ohne grössere Strassen zu überqueren, hinradeln kann.
Mir hat dieser Spruch immer gut gefallen:
"Wenn die Kinder klein sind, gib ihnen Wurzeln, wenn sie gross sind, gib ihnen Flügel."
In diesem Sinne:
Love, Blinki
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2014/08/03
2014/06/01
Auf zu neuen Ufern
Seit ungefähr zwei Wochen sind mein Mann und ich offiziell Eigenheimbesitzer. Woohoo! Nach einem passenden Häuschen für unsere kleine Familie hatten wir ja schon lange gesucht, eigentlich schon seit Levis Geburt, also seit fast zweieinhalb Jahren.
Auf dem Weg zum Traumhaus haben wir uns unfassbare Bruchbuden angeschaut, bizarre Makler kennengelernt und über manche Preisvorstellungen einfach nur den Kopf geschüttelt. Das es so schwierig werden würde, hatten wir am Anfang nicht gedacht.
Wir wollten doch nur ein kleines Haus auf dem Land! Raus aus der Stadt und rein ins Grüne! Mit Garten und in einer schönen Wohnsiedlung, wo Kinder auf der Strasse Fahrradfahren lernen können und in einer Art Pleasantville (erinnert sich jemand an den Film?) mit weissen Gartenzäunen und hübschen Vorgärten aufwachsen würden. Das kann doch nicht so schwer sein! Leider hatten wir übersehen, dass aufgrund der aktuellen Zinslage ungefähr jeder nach einem Haus sucht, so fühlte es sich jedenfalls an. Und wann immer wir auf Partys oder bei Freunden auf das Thema zu sprechen kamen, erfuhren wir direkt von neuen Konkurrenten auf dem Immobilienmarkt. Diese versuchten wir natürlich sofort auszuschalten ("also in DAS Viertel würden wir ja niemals ziehen!"-(flüster):" hast du gehört, da steht was leer!"). Zwischendurch hatten wir sogar erwogen, die Todesanzeigen der Tageszeitung etwas gründlicher zu studieren, um eventuell den trauernden Nachkommen wenigstens die Sorge um das Haus von Oma Herta abzunehmen. Nun ja, das konnten wir uns dann gerade noch verkneifen. Nachdem wir uns also viele, viele Häuser angeschaut haben, und uns (fast) immer einig waren, dass es das aus verschiedenen Gründen nicht war, da trafen wir auf Anette und Günter. Anette hatte eine Anzeige in der lokalen Tageszeitung geschaltet, in der sie ein 50er Jahre Haus zu einem wirklich günstigen Tarif verscherbeln wollte. Ein wunderschönes Haus mit weissen Fenstern und grossen, alten Bäumen im Garten, zwischen welchen man im Geiste schon die Hängematte sanft im Wind schaukeln sah. Eigentlich habe ich meinem Mann das Foto aber nur gezeigt, weil die Adresse in der Nähe seiner Eltern lag. "Guck mal hier, hihi, bei deinen Eltern wird ein Haus verkauft, verrückt!" Aus Neugier haben wir dann doch angerufen und direkt für den Nachmittag einen Besichtigungstermin vereinbart. Später haben wir erfahren, dass es aufgrund des Spottpreises am ersten Tag direkt 700 Anfragen gab. Bei der Besichtigung entlockten wir der leicht angeschwipsten Anette ausserdem, dass das Haus so günstig ist weil sie selbst von dem Geld nichts hat: das geht alles ans Altenheim ihrer Mutter, welche es verpasst hat, es ihrer Tochter rechtzeitig zu überschreiben, weshalb diese sich gerne mal ein Likörchen genehmigt und ansonsten froh ist, wenn sie mit dem Ding nichts mehr am Hut hat. Da Anette und ihr Mann Günter direkt nebenan wohnen, war ihnen hauptsächlich an netten Nachbarn gelegen, und da kommen wir ins Spiel. Denn wir sind natürlich supernett! Und unsere Kinder erst! Zum Glück hatten wir Levi bei den Grosseltern geparkt und Henri dabei, der schön niedlich aus der Wäsche guckte, Anette über beide Hamsterbacken angrinste und ansonsten wie wir alle so tat, als würde ihm von ihrer Fahne nicht gleich schwindelig. Wir bekamen den Zuschlag sofort, weitere Interessenten (mit Termin!) wurden von Anette resolut weitergewunken ("das Haus ist WEHEG!"). Und wir konnten es nicht fassen: unser Traumhaus! Es ist natürlich alt, aber noch gut in Schuß. Es müssen ein paar Renovierungs- und Sanierungsmassnahmen durchgeführt werden, aber dann ist es genau das, was wir gesucht haben: in einer schönen Gegend, in der Nähe der Großeltern, mit einem überschaubaren Garten und gut aufgeteilt. Ausserdem ein Haus mit Geschichte, mit einer Seele, denn die hat uns bei den Neubauten oder Doppelhaushälften, die wir uns unter anderem auch angeschaut haben, einfach gefehlt. Es gibt knarzende Dielen und eine schöne Holztreppe, wir lassen schöne Sprossenfenster einbauen und freuen uns schon auf die riesige Dachterrasse. Und das beste ist: Anette und Günter finden uns so sympathisch, dass sie noch ungefähr fünf mal mit dem Preis runtergegangen sind, ohne das wir auch nur einen Ton gesagt haben ("ihr habt euch eine Woche lang nicht gemeldet, da dachten wir, ihr habt es euch anders überlegt- was haltet ihr von 10.000 weniger?"). Selbstredend sind wir schon beim Du, und ich fürchte, ich muss in Zukunft regelmässig mit Anette Eierlikör über den Gartenzaun trinken, aber was tut man nicht alles für die Familie. Jedenfalls haben wir jetzt ein Haus und werden unsere schöne, liebgewonnene Altbauwohnung im Zentrum verlassen um aufs Land zu ziehen. Dann ist es vorbei mit schnell mal ins Kino, ins Theater, in die Kneipe oder "ich hab so Lust auf Tapas, holst du schnell welche bevor der Tatort anfängt?". Aber mal ehrlich: wie oft geht man mit zwei kleinen Kindern noch aus? Ich jedenfalls nicht mehr so viel! Zum Glück habe ich mich in meinen Zwanzigern ordentlich ausgetobt, mittlerweile habe ich ja die Schlafgewohnheiten einer Greisin. Und wenn ich doch mal auf einen Swutsch will, dann quartiere ich mich einfach bei einer Freundin ein, sollte ich aus irgendwelchen Gründen nicht mehr zurückfahrenkönnen wollen. Das wird toll!
Auf dem Weg zum Traumhaus haben wir uns unfassbare Bruchbuden angeschaut, bizarre Makler kennengelernt und über manche Preisvorstellungen einfach nur den Kopf geschüttelt. Das es so schwierig werden würde, hatten wir am Anfang nicht gedacht.
Wir wollten doch nur ein kleines Haus auf dem Land! Raus aus der Stadt und rein ins Grüne! Mit Garten und in einer schönen Wohnsiedlung, wo Kinder auf der Strasse Fahrradfahren lernen können und in einer Art Pleasantville (erinnert sich jemand an den Film?) mit weissen Gartenzäunen und hübschen Vorgärten aufwachsen würden. Das kann doch nicht so schwer sein! Leider hatten wir übersehen, dass aufgrund der aktuellen Zinslage ungefähr jeder nach einem Haus sucht, so fühlte es sich jedenfalls an. Und wann immer wir auf Partys oder bei Freunden auf das Thema zu sprechen kamen, erfuhren wir direkt von neuen Konkurrenten auf dem Immobilienmarkt. Diese versuchten wir natürlich sofort auszuschalten ("also in DAS Viertel würden wir ja niemals ziehen!"-(flüster):" hast du gehört, da steht was leer!"). Zwischendurch hatten wir sogar erwogen, die Todesanzeigen der Tageszeitung etwas gründlicher zu studieren, um eventuell den trauernden Nachkommen wenigstens die Sorge um das Haus von Oma Herta abzunehmen. Nun ja, das konnten wir uns dann gerade noch verkneifen. Nachdem wir uns also viele, viele Häuser angeschaut haben, und uns (fast) immer einig waren, dass es das aus verschiedenen Gründen nicht war, da trafen wir auf Anette und Günter. Anette hatte eine Anzeige in der lokalen Tageszeitung geschaltet, in der sie ein 50er Jahre Haus zu einem wirklich günstigen Tarif verscherbeln wollte. Ein wunderschönes Haus mit weissen Fenstern und grossen, alten Bäumen im Garten, zwischen welchen man im Geiste schon die Hängematte sanft im Wind schaukeln sah. Eigentlich habe ich meinem Mann das Foto aber nur gezeigt, weil die Adresse in der Nähe seiner Eltern lag. "Guck mal hier, hihi, bei deinen Eltern wird ein Haus verkauft, verrückt!" Aus Neugier haben wir dann doch angerufen und direkt für den Nachmittag einen Besichtigungstermin vereinbart. Später haben wir erfahren, dass es aufgrund des Spottpreises am ersten Tag direkt 700 Anfragen gab. Bei der Besichtigung entlockten wir der leicht angeschwipsten Anette ausserdem, dass das Haus so günstig ist weil sie selbst von dem Geld nichts hat: das geht alles ans Altenheim ihrer Mutter, welche es verpasst hat, es ihrer Tochter rechtzeitig zu überschreiben, weshalb diese sich gerne mal ein Likörchen genehmigt und ansonsten froh ist, wenn sie mit dem Ding nichts mehr am Hut hat. Da Anette und ihr Mann Günter direkt nebenan wohnen, war ihnen hauptsächlich an netten Nachbarn gelegen, und da kommen wir ins Spiel. Denn wir sind natürlich supernett! Und unsere Kinder erst! Zum Glück hatten wir Levi bei den Grosseltern geparkt und Henri dabei, der schön niedlich aus der Wäsche guckte, Anette über beide Hamsterbacken angrinste und ansonsten wie wir alle so tat, als würde ihm von ihrer Fahne nicht gleich schwindelig. Wir bekamen den Zuschlag sofort, weitere Interessenten (mit Termin!) wurden von Anette resolut weitergewunken ("das Haus ist WEHEG!"). Und wir konnten es nicht fassen: unser Traumhaus! Es ist natürlich alt, aber noch gut in Schuß. Es müssen ein paar Renovierungs- und Sanierungsmassnahmen durchgeführt werden, aber dann ist es genau das, was wir gesucht haben: in einer schönen Gegend, in der Nähe der Großeltern, mit einem überschaubaren Garten und gut aufgeteilt. Ausserdem ein Haus mit Geschichte, mit einer Seele, denn die hat uns bei den Neubauten oder Doppelhaushälften, die wir uns unter anderem auch angeschaut haben, einfach gefehlt. Es gibt knarzende Dielen und eine schöne Holztreppe, wir lassen schöne Sprossenfenster einbauen und freuen uns schon auf die riesige Dachterrasse. Und das beste ist: Anette und Günter finden uns so sympathisch, dass sie noch ungefähr fünf mal mit dem Preis runtergegangen sind, ohne das wir auch nur einen Ton gesagt haben ("ihr habt euch eine Woche lang nicht gemeldet, da dachten wir, ihr habt es euch anders überlegt- was haltet ihr von 10.000 weniger?"). Selbstredend sind wir schon beim Du, und ich fürchte, ich muss in Zukunft regelmässig mit Anette Eierlikör über den Gartenzaun trinken, aber was tut man nicht alles für die Familie. Jedenfalls haben wir jetzt ein Haus und werden unsere schöne, liebgewonnene Altbauwohnung im Zentrum verlassen um aufs Land zu ziehen. Dann ist es vorbei mit schnell mal ins Kino, ins Theater, in die Kneipe oder "ich hab so Lust auf Tapas, holst du schnell welche bevor der Tatort anfängt?". Aber mal ehrlich: wie oft geht man mit zwei kleinen Kindern noch aus? Ich jedenfalls nicht mehr so viel! Zum Glück habe ich mich in meinen Zwanzigern ordentlich ausgetobt, mittlerweile habe ich ja die Schlafgewohnheiten einer Greisin. Und wenn ich doch mal auf einen Swutsch will, dann quartiere ich mich einfach bei einer Freundin ein, sollte ich aus irgendwelchen Gründen nicht mehr zurückfahren
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