Ihr Lieben,
wir sind im Renovierungschaos angekommen, das neue Haus ist eine riesige Baustelle. Oder, wie meine Freundin Biggi treffend bemerkte: "Man braucht ein wenig Phantasie, um sich das Endergebnis vorzustellen." Wie wahr! Es muss ungefähr alles gemacht werden: Fenster, Türen, Böden, Bad, Wände, Küche- alles! Das geht natürlich einher mit jeder Menge Entscheidungen die getroffen werden wollen, so haben mein Mann und ich kürzlich tasächlich geschlagene 40 Minuten über die perfekte Anbringungshöhe für das WC diskutiert! Und dann sind da noch die Handwerker. Was man da alles erlebt! Heute war zum Beispiel ein Tischler da, der sich die alte Holztreppe und den Dielenboden mal anschauen sollte. Bei allen Gestaltungsideen meinerseits machte er abfällige Kotzgeräusche und rollte die Augen (ich: "in der Küche stelle ich mir vor die Dielen weiss zu lackieren und die Wand in grau..."-er:( Finger im Hals) "bääääh" (würg)! Oder: ich "bei der Treppe fänd ich es ja ganz schick alles in weiss zu halten und den Handlauf anthrazit..."- er (grosse Augen): "Iiiiiiieh, bah". Das fand ich jetzt nicht so sympathisch! Immerhin hatte ich ihn nicht nach seiner Meinung zur Optik, sondern zu der Machbarkeit und den Kosten befragt. Denn wenn wir so anfangen, hätte ich ihn nach dem ersten Blick auf seine Dreiviertelhose sofort wieder nach Hause geschickt! Mal sehen, ob das was wird. Ein weiterer Tischler, er war vor ca 3 Wochen da, ist beim Sprechen fast eingeschlafen, und ich auch. Da hatte ich dann Sorge, dass er beim arbeiten ähnlich fix ist und wir haben von einem Auftrag abgesehen. Allerdings hat er es bis heute auch noch nicht geschafft den versprochenen Kostenvoranschlag zu schicken.
Dann haben wir noch einen Badinstallateur, der praktischerweise gleich nebenan wohnt, und für uns die Heizung und eben das Bad erneuert. Er kommt immer mit praktischen, offenen Sandalen (mit Socken, is klar) bei uns vorbei, um noch "schnell mal etwas zu besprechen". Den finde ich aber super! Er sieht auf den ersten Blick nicht aus wie ein Design-Guru, aber seine Vorschläge haben unseren Geschmack auf Anhieb getroffen. Wer hätte das gedacht? ("Hier ist die Liste von Herrn H. Vermutlich gefällt uns nix, das sind bestimmt ganz furchtbare Sachen, obwohl sie so teuer sind." Kurz darauf: "Mist, hast du das gesehen? Da ist alles GENAU so wie wir uns das vorgestellt haben!")
Man darf gespannt sein. Aber es macht natürlich auch ganz viel Spass, sich alles so zu gestalten wie man möchte. In diesem Haus werden unsere Kinder aufwachsen, es wird für sie hoffentlich ein kuscheliges Heim sein, in das sie auch später gerne von Zeit zu Zeit zu ihren leicht senilen Eltern zurück kommen werden. Hier
wird Henri laufen lernen und Levi seinen ersten Milchzahn verlieren.
Sie werden in unserer kleinen Sackgasse Fahrrad fahren lernen und an St.
Martin mit ihren Laternen um die Häuser ziehen. Sie werden in dem
kleinen Wäldchen nebenan mit ihren Freunden Abenteuer erleben und im
Park Fussball spielen. Sie bekommen eine Schaukel und einen Sandkasten und wir werden im Sommer zusammen auf der Dachterrasse grillen und im Winter in der Küche (mit weissen Dielen!) Weihnachtsplätzchen backen.
Sie werden ihre Kindheit und Jugend hier verbringen, und ich werde alles geben, diese so idyllisch und sorgenfrei wie möglich zu gestalten. Es ist irgendwie verrückt, das wir genau hier, in einer Vorstadt in der Provinz sesshaft werden, wo mein Mann und ich doch schon an so vielen Orten gelebt und gearbeitet haben. Für unsere Kinder dagegen wird es erstmal alles sein, was sie kennen. Vielleicht ist das auch gut so, denn raus in die Welt werden sie früh genug gehen, und das sollen sie auch. Und bis dahin werden sie behütet in einer kleinen, bürgerlichen Siedlung aufwachsen, mit einem grossen Park, mit Ententeichen und einer Schule zu der man bequem, und ohne grössere Strassen zu überqueren, hinradeln kann.
Mir hat dieser Spruch immer gut gefallen:
"Wenn die Kinder klein sind, gib ihnen Wurzeln, wenn sie gross sind, gib ihnen Flügel."
In diesem Sinne:
Love, Blinki
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2014/08/03
2013/11/26
22 Monate, Teil 2
Lieber Levi,
weisst du, was fast das schönste am Mutter-sein ist? Dass ich mit einem Pusten oder einem Küsschen das meiste wieder gut machen kann. Für dich habe ich einfach Superkräfte, und das ist ein tolles Gefühl.
Wenn du dir irgendwo weh tust, kommst du auf dem schnellsten Weg zu mir gerannt, rufst weinend "Mama, aua!" und zeigst anklagend auf die Tischkante oder was auch immer der Übeltäter war. Dann frage ich, wo ich pusten soll und du zeigst mir mit zitternder Lippe die Stelle. "DA!" Kaum habe ich ordentlich gepustet, scheint der Schmerz wie weggewischt und du rennst wieder strahlend los-bereit zu neuen Schandtaten.
Dein Vater und ich finden es unglaublich faszinierend, was du dir in deinem kleinen Köpfchen schon alles merken und abspeichern kannst, was für Kleinigkeiten dich beschäftigen und faszinieren. Letzte Woche im Café hat der Hund meiner Hebamme einmal kurz an deiner Hand geschnuppert. Du fandest das eher semi-gut bis dein Papa anmerkte, dass der Hund dir da ein Küsschen gegeben hat. Seitdem ist kein Tag vergangen, an dem du nicht auf deine Hand gezeigt und "Wauwau, mah!" gemacht hast. Wir hatten diesen Vorfall paraktisch sofort vergessen, aber für dich war das ein einschneidendes Erlebnis. Vielleicht erwähnst du die Begegnung noch in deinen Memoiren! Justin Bieber hat seine ersten auch schon mit 17 herausgebracht. Daran kannst du dich ja orientieren, wenn noch mehr solcher Hammer-Ereignisse auf dich warten! Und davon gehe ich aus. Vielleicht könntest du bei der Gelegenheit auch noch ein ganzes Kapitel deiner aussergewöhnlich gutaussehenden, charmanten, erfolgreichen und niemals die Contenance verlierenden Mutter widmen? No pressure!
Zurück zu dir. Ordnung ist das halbe Leben, und auf Ordnung legst du Wert. Nicht im klassischen Sinne, beispielsweise ein aufgeräumntes Zimmer betreffend, hier bestehst du eher auf dem Prinzip: erst wenn alles, aber auch restlos alles Spielzeug auf dem Boden liegt, kann man sich erst richtig entfalten. Nein, Ordnung heisst für dich zum Beispiel, dass Mama immer auf einem bestimmten Stuhl am Esstisch sitzen soll, Papa ebenso. Tauschen geht nicht, unmöglich! Das gleiche gilt für das Bett. Als dein Vater dich kürzlich in den Schlaf singen wollte und sich unvorsichtigerweise auf meine Bettseite gelegt hat, hast du ihn vehement darauf hingewiesen wer da eigentlich hingehört. "Mama! Da! Mama!" Zum Glück hatte er ein Einsehen und hat sich auf die richtige Seite getrollt.
Überhaupt, das Schlafen. Du schläfst immer noch wie ein Stein, und Mittags auch gerne in deinem eigenen Bett im Kinderzimmer. Abends findest du diese Option allerdings nur mässig bis überhaupt nicht sinnvoll. Und dein Vater und ich haben uns endlich dazu durchgerungen, vollends dazu zu stehen: wir sind und bleiben co-sleeper, und das ist auch gut so! Why change a winning team? Wir finden es einfach gemütlich und praktisch, und du sowieso. In letzter Zeit hast du ab und zu Albträume oder immer noch den ominösen Nachtschreck, und wenn ich mir dann vorstelle jedesmal aufzustehen und ins Kinderzimmer zu rennen um dich zu beruhigen....so reicht es, wenn ich dir im Halbschlaf meine Hand reiche oder etwas leises murmele. Da haben wir alle was davon! Durch die Schwangerschaft bekomme ich gefühlt sowieso schon viel zuwenig Schlaf, den muss ich mir ja nicht noch mehr verkürzen.
Also ist weiterhin Familienbett angesagt, und für deinen kleinen Bruder stellen wir wieder das praktische Beistellbett auf. Das hast du dir von meinem Arm aus auch immer interessiert angeguckt und dann gemütlich darauf weiter geschlafen. Aber der Kleine, der wird es lieben-ganz bestimmt!
Du bist und bleibst ein kleiner Sonnenschein, für uns ist es wirklich ein Privileg, dir beim leben und wachsen zuzuschauen. Tanzend, singend, spielend, lachend und Blödsinn machend verbringst du deine Tage. Und langsam fängst du auch an, deine Eltern und deine Umwelt zu testen. Was darf ich? Was nicht? Wie lange dauert es bis Mama "nein" sagt? Wie nah kann ich mich an die Steckdose herantasten? Da? Da? Da? Aha, an der Stelle sagt Mama nein. Meint sie das ernst, oder könnte ich noch ein Stückchen....nein, mist, sie meint das ernst.
Das erfordert viel Geduld und starke Nerven von deinen Eltern. Wir geben uns alle Mühe! Konsequenz ist uns aber bei aller Liebe und Toleranz wichtig. Nein heißt nein, und dabei bleibt es. Das macht uns manchmal auch keinen Spass! Ich verstehe es wirklich am allerbesten und vollkommen, dass man noch einen dritten Keks, mit dem Smartphone spielen oder alleine über die Strasse laufen möchte, aber manches geht in deinem Alter einfach noch nicht. Und man kann auch nicht immer alles haben was man möchte.
Du lernst also auch gerade, dass deine Welt Grenzen hat. Grenzen, die wir uns nicht ausdenken um dich zu ärgern (obwohl du davon hin und wieder garantiert überzeugt bist), sondern um dich zu beschützen und dir Sicherheit zu geben, denn dazu sind Eltern auch da.
Ansonsten möchten wir unbedingt, dass du dich frei entfaltest. Entdecke, bestaune und begreife die Natur und unsere Welt. Wir sind dabei, bei jedem Schritt. Wir feuern dich an und halten deine Hand wenn du das brauchst. Wir lassen dich los, wenn du dich traust. Und wenn du mal stolperst, dann puste ich.
Love, Mama
weisst du, was fast das schönste am Mutter-sein ist? Dass ich mit einem Pusten oder einem Küsschen das meiste wieder gut machen kann. Für dich habe ich einfach Superkräfte, und das ist ein tolles Gefühl.
Wenn du dir irgendwo weh tust, kommst du auf dem schnellsten Weg zu mir gerannt, rufst weinend "Mama, aua!" und zeigst anklagend auf die Tischkante oder was auch immer der Übeltäter war. Dann frage ich, wo ich pusten soll und du zeigst mir mit zitternder Lippe die Stelle. "DA!" Kaum habe ich ordentlich gepustet, scheint der Schmerz wie weggewischt und du rennst wieder strahlend los-bereit zu neuen Schandtaten.
Dein Vater und ich finden es unglaublich faszinierend, was du dir in deinem kleinen Köpfchen schon alles merken und abspeichern kannst, was für Kleinigkeiten dich beschäftigen und faszinieren. Letzte Woche im Café hat der Hund meiner Hebamme einmal kurz an deiner Hand geschnuppert. Du fandest das eher semi-gut bis dein Papa anmerkte, dass der Hund dir da ein Küsschen gegeben hat. Seitdem ist kein Tag vergangen, an dem du nicht auf deine Hand gezeigt und "Wauwau, mah!" gemacht hast. Wir hatten diesen Vorfall paraktisch sofort vergessen, aber für dich war das ein einschneidendes Erlebnis. Vielleicht erwähnst du die Begegnung noch in deinen Memoiren! Justin Bieber hat seine ersten auch schon mit 17 herausgebracht. Daran kannst du dich ja orientieren, wenn noch mehr solcher Hammer-Ereignisse auf dich warten! Und davon gehe ich aus. Vielleicht könntest du bei der Gelegenheit auch noch ein ganzes Kapitel deiner aussergewöhnlich gutaussehenden, charmanten, erfolgreichen und niemals die Contenance verlierenden Mutter widmen? No pressure!
Zurück zu dir. Ordnung ist das halbe Leben, und auf Ordnung legst du Wert. Nicht im klassischen Sinne, beispielsweise ein aufgeräumntes Zimmer betreffend, hier bestehst du eher auf dem Prinzip: erst wenn alles, aber auch restlos alles Spielzeug auf dem Boden liegt, kann man sich erst richtig entfalten. Nein, Ordnung heisst für dich zum Beispiel, dass Mama immer auf einem bestimmten Stuhl am Esstisch sitzen soll, Papa ebenso. Tauschen geht nicht, unmöglich! Das gleiche gilt für das Bett. Als dein Vater dich kürzlich in den Schlaf singen wollte und sich unvorsichtigerweise auf meine Bettseite gelegt hat, hast du ihn vehement darauf hingewiesen wer da eigentlich hingehört. "Mama! Da! Mama!" Zum Glück hatte er ein Einsehen und hat sich auf die richtige Seite getrollt.
Überhaupt, das Schlafen. Du schläfst immer noch wie ein Stein, und Mittags auch gerne in deinem eigenen Bett im Kinderzimmer. Abends findest du diese Option allerdings nur mässig bis überhaupt nicht sinnvoll. Und dein Vater und ich haben uns endlich dazu durchgerungen, vollends dazu zu stehen: wir sind und bleiben co-sleeper, und das ist auch gut so! Why change a winning team? Wir finden es einfach gemütlich und praktisch, und du sowieso. In letzter Zeit hast du ab und zu Albträume oder immer noch den ominösen Nachtschreck, und wenn ich mir dann vorstelle jedesmal aufzustehen und ins Kinderzimmer zu rennen um dich zu beruhigen....so reicht es, wenn ich dir im Halbschlaf meine Hand reiche oder etwas leises murmele. Da haben wir alle was davon! Durch die Schwangerschaft bekomme ich gefühlt sowieso schon viel zuwenig Schlaf, den muss ich mir ja nicht noch mehr verkürzen.
Also ist weiterhin Familienbett angesagt, und für deinen kleinen Bruder stellen wir wieder das praktische Beistellbett auf. Das hast du dir von meinem Arm aus auch immer interessiert angeguckt und dann gemütlich darauf weiter geschlafen. Aber der Kleine, der wird es lieben-ganz bestimmt!
Du bist und bleibst ein kleiner Sonnenschein, für uns ist es wirklich ein Privileg, dir beim leben und wachsen zuzuschauen. Tanzend, singend, spielend, lachend und Blödsinn machend verbringst du deine Tage. Und langsam fängst du auch an, deine Eltern und deine Umwelt zu testen. Was darf ich? Was nicht? Wie lange dauert es bis Mama "nein" sagt? Wie nah kann ich mich an die Steckdose herantasten? Da? Da? Da? Aha, an der Stelle sagt Mama nein. Meint sie das ernst, oder könnte ich noch ein Stückchen....nein, mist, sie meint das ernst.
Das erfordert viel Geduld und starke Nerven von deinen Eltern. Wir geben uns alle Mühe! Konsequenz ist uns aber bei aller Liebe und Toleranz wichtig. Nein heißt nein, und dabei bleibt es. Das macht uns manchmal auch keinen Spass! Ich verstehe es wirklich am allerbesten und vollkommen, dass man noch einen dritten Keks, mit dem Smartphone spielen oder alleine über die Strasse laufen möchte, aber manches geht in deinem Alter einfach noch nicht. Und man kann auch nicht immer alles haben was man möchte.
Du lernst also auch gerade, dass deine Welt Grenzen hat. Grenzen, die wir uns nicht ausdenken um dich zu ärgern (obwohl du davon hin und wieder garantiert überzeugt bist), sondern um dich zu beschützen und dir Sicherheit zu geben, denn dazu sind Eltern auch da.
Ansonsten möchten wir unbedingt, dass du dich frei entfaltest. Entdecke, bestaune und begreife die Natur und unsere Welt. Wir sind dabei, bei jedem Schritt. Wir feuern dich an und halten deine Hand wenn du das brauchst. Wir lassen dich los, wenn du dich traust. Und wenn du mal stolperst, dann puste ich.
Love, Mama
22 Monate, Teil 1
Lieber Levi,
ich muss mich ein bisschen beeilen, denn am 05.12. wirst du ja schon 23 Monate, und vier Wochen später unglaubliche zwei Jahre alt! Wohin ist die Zeit nur verschwunden? Aller Wahrscheinlichkeit nach bist du an deinem zweiten Geburtstag schon ein grosser Bruder. Ein grosser Bruder, wie toll ist das denn? Ab morgen bin ich in der 36. Schwangerschaftswoche und sehe schon aus wie ein Walfisch auf Beinen. Seit du gesehen hast, wie die Hebamme mit ihrem kleinen Walkman die Herztöne deines Bruders kontrolliert, kommst du regelmässig eifrig mit deinem Spielzeugstethoskop angerannt, ziehst mir den Pulli hoch und lauscht angestrengt ob alles gut ist. Dann streichelst du die Kugel, sagst "Baby, ei, ei" und schmatzt manchmal sogar noch ein Küsschen hinterher. Natürlich wissen wir nicht, in wieweit du schon begreifst, was in meinem Bauch passiert,aber diese kleinen Gesten sind trotzdem mehr als entzückend.
Morgens weckst du uns mit einem lässigen "Hallo, na?" und drückst erst mir und dann deinem Vater deine kleine Nase in die Wange und gibst ein Küsschen. "Mah! (Schmatz)" . Wer könnte da böse über das geweckt werden sein? Zumal es meistens nicht vor acht Uhr ist...
Lange habe ich überlegt, wie du zu der entspannten Redewendung "Hallo, na?" gekommen bist, mit der du immer wieder aufs Neue unsere Freunde, Familie und sogar Fremde in Restaurants und Geschäften begeisterst. Da kommt ein Dreikäsehoch in unser Stammcafé geschlendert, sagt "Hallo, na?" und stellt sich wie selbstverständlich vor den Tresen um sich einen Keks auszusuchen. Damit kriegst du jeden rum!
Irgendwann ging mir ein Licht auf: eine Freundin rief mich auf dem Handy an und ich begrüßte sie locker mit: rate mal. Da fühlt man sich ja sowas von ertappt! Ebenso wenn du auf die Steckdose zeigst, den Zeigefinger schüttelst und streng: "Nein, nein, nein!" sagst, oder wenn du bei einer der vielen (erfolglosen) Hausbesichtigungen der letzten Zeit auf dem Arm deines Vaters einen neuen Raum betrittst und übertrieben laut "Oooh" und "aaah" rufst.
Heimlich schämen wir uns und lachen zugleich darüber.
Überhaupt, das Sprechen. Von ganzen Sätzen kann nicht die Rede sein, aber du versuchst es unermüdlich. Den ganzen Tag wird gebrabbelt, gesungen und gerufen. Gestern hast du eine Postkarte verkehrt herum gehalten und mir mit ernster Miene daraus vorgelesen. Leider habe ich kein Wort verstanden, aber deinem Gesichtsausdruck nach zu urteilen, waren es mindestens die Börsennachrichten. Besonders herrlich finden wir deine eigenen Wortkreationen. "Lodelodela (Schokolade)" ist ja schon älter, und mittlerweile müssen dein Vater und ich aufpassen, dass wir das nicht einfach in unseren Sprachgebrauch übernehmen und im Café eine Tasse Lodela mit Sahne bestellen. Neu hinzugekommen sind "Bika" und "Buckebuckee". Buckebuckee ist das grosse Buch der ersten Bilder und Wörter. Wir dachten zuerst, Buckebuckee wäre der Oberbegriff für Buch, aber nein, es ist nur dieses eine, ganz bestimmte Buch. Schon morgens ist Buckebuckee nach "Hallo, na?" eins deiner ersten Wörter, und sobald wir dich aus dem Schlafsck befreit haben, rennst du los in dein Kinderzimmer und kommst schnaufend damit zurück. Die Seite mit den Musikinstrumenten ist dir die allerliebste. Wie macht der Kontrabass? Das Waldhorn? Das Akkordeon? Kein Problem! Besonders schön ist das, wenn du Buckebuckee Gästen vertrauensvoll auf den Schoss legst, dich schnell daneben aufs Sofa wirfst, die Musikseite aufschlägst und zu jedem Instrument das passende Geräusch verlangst. Damit hast du sogar meinen alten Kumpel aus Hamburg, der "kinderlieb" nicht ganz oben in seinem Lebenslauf stehen hat, völlig aus der Reserve gelockt. Ich bin mir sicher, dass er als geläuterter Mann zurück an die Elbe gefahren ist und jetzt ernsthaft über Fortpflanzung nachdenkt. Vielleicht auch nicht.
Bika hingegen ist ein kleines Klavier, bestehend aus drei unterschiedlich farbigen Tasten, bei denen jedesmal ein Katzenkopf nach oben springt wenn man eine davon drückt. Bika kann nur eine Melodie, egal an welcher Kombination man sich versucht, und war der bestangelegteste Euro auf einem Berliner Flohmarkt aller Zeiten. Deine tollen Holzmusikinstrumente? Langweilig! Bika iat der Oberhit! Manchmal erhellt sich dein Gesicht schlagartig wenn dir Bika in den Sinn kommt, es entfährt dir ein verzücktes "Bika, Bika!!!", und das Konzert beginnt wenige Sekunden später. Bika wurde schon auf alle möglichen Arten und Weisen verdroschen. Als Gitarre, als Schlagzeug, und es wurde sogar mal versucht mit dem Mund zu spielen. Ein Universalinstrument, einfach toll. Unsere Freundin F. nannte dich beistert einen Klangkünstler, nachdem du ihr noch im Flur, ohne dass sie auch nur die Jacke ausziehen konnte, ein Konzert auf Bika, der Trommel und dem Xylophon gespielt hast. Dramatisch warfst du dabei die Arme nach oben und sangst auch noch ein Lied dazu.
Da bleibt natürlich kein Auge trocken!
Morgen mehr!
Love, Mama
ich muss mich ein bisschen beeilen, denn am 05.12. wirst du ja schon 23 Monate, und vier Wochen später unglaubliche zwei Jahre alt! Wohin ist die Zeit nur verschwunden? Aller Wahrscheinlichkeit nach bist du an deinem zweiten Geburtstag schon ein grosser Bruder. Ein grosser Bruder, wie toll ist das denn? Ab morgen bin ich in der 36. Schwangerschaftswoche und sehe schon aus wie ein Walfisch auf Beinen. Seit du gesehen hast, wie die Hebamme mit ihrem kleinen Walkman die Herztöne deines Bruders kontrolliert, kommst du regelmässig eifrig mit deinem Spielzeugstethoskop angerannt, ziehst mir den Pulli hoch und lauscht angestrengt ob alles gut ist. Dann streichelst du die Kugel, sagst "Baby, ei, ei" und schmatzt manchmal sogar noch ein Küsschen hinterher. Natürlich wissen wir nicht, in wieweit du schon begreifst, was in meinem Bauch passiert,aber diese kleinen Gesten sind trotzdem mehr als entzückend.
Morgens weckst du uns mit einem lässigen "Hallo, na?" und drückst erst mir und dann deinem Vater deine kleine Nase in die Wange und gibst ein Küsschen. "Mah! (Schmatz)" . Wer könnte da böse über das geweckt werden sein? Zumal es meistens nicht vor acht Uhr ist...
Lange habe ich überlegt, wie du zu der entspannten Redewendung "Hallo, na?" gekommen bist, mit der du immer wieder aufs Neue unsere Freunde, Familie und sogar Fremde in Restaurants und Geschäften begeisterst. Da kommt ein Dreikäsehoch in unser Stammcafé geschlendert, sagt "Hallo, na?" und stellt sich wie selbstverständlich vor den Tresen um sich einen Keks auszusuchen. Damit kriegst du jeden rum!
Irgendwann ging mir ein Licht auf: eine Freundin rief mich auf dem Handy an und ich begrüßte sie locker mit: rate mal. Da fühlt man sich ja sowas von ertappt! Ebenso wenn du auf die Steckdose zeigst, den Zeigefinger schüttelst und streng: "Nein, nein, nein!" sagst, oder wenn du bei einer der vielen (erfolglosen) Hausbesichtigungen der letzten Zeit auf dem Arm deines Vaters einen neuen Raum betrittst und übertrieben laut "Oooh" und "aaah" rufst.
Heimlich schämen wir uns und lachen zugleich darüber.
Überhaupt, das Sprechen. Von ganzen Sätzen kann nicht die Rede sein, aber du versuchst es unermüdlich. Den ganzen Tag wird gebrabbelt, gesungen und gerufen. Gestern hast du eine Postkarte verkehrt herum gehalten und mir mit ernster Miene daraus vorgelesen. Leider habe ich kein Wort verstanden, aber deinem Gesichtsausdruck nach zu urteilen, waren es mindestens die Börsennachrichten. Besonders herrlich finden wir deine eigenen Wortkreationen. "Lodelodela (Schokolade)" ist ja schon älter, und mittlerweile müssen dein Vater und ich aufpassen, dass wir das nicht einfach in unseren Sprachgebrauch übernehmen und im Café eine Tasse Lodela mit Sahne bestellen. Neu hinzugekommen sind "Bika" und "Buckebuckee". Buckebuckee ist das grosse Buch der ersten Bilder und Wörter. Wir dachten zuerst, Buckebuckee wäre der Oberbegriff für Buch, aber nein, es ist nur dieses eine, ganz bestimmte Buch. Schon morgens ist Buckebuckee nach "Hallo, na?" eins deiner ersten Wörter, und sobald wir dich aus dem Schlafsck befreit haben, rennst du los in dein Kinderzimmer und kommst schnaufend damit zurück. Die Seite mit den Musikinstrumenten ist dir die allerliebste. Wie macht der Kontrabass? Das Waldhorn? Das Akkordeon? Kein Problem! Besonders schön ist das, wenn du Buckebuckee Gästen vertrauensvoll auf den Schoss legst, dich schnell daneben aufs Sofa wirfst, die Musikseite aufschlägst und zu jedem Instrument das passende Geräusch verlangst. Damit hast du sogar meinen alten Kumpel aus Hamburg, der "kinderlieb" nicht ganz oben in seinem Lebenslauf stehen hat, völlig aus der Reserve gelockt. Ich bin mir sicher, dass er als geläuterter Mann zurück an die Elbe gefahren ist und jetzt ernsthaft über Fortpflanzung nachdenkt. Vielleicht auch nicht.
Bika hingegen ist ein kleines Klavier, bestehend aus drei unterschiedlich farbigen Tasten, bei denen jedesmal ein Katzenkopf nach oben springt wenn man eine davon drückt. Bika kann nur eine Melodie, egal an welcher Kombination man sich versucht, und war der bestangelegteste Euro auf einem Berliner Flohmarkt aller Zeiten. Deine tollen Holzmusikinstrumente? Langweilig! Bika iat der Oberhit! Manchmal erhellt sich dein Gesicht schlagartig wenn dir Bika in den Sinn kommt, es entfährt dir ein verzücktes "Bika, Bika!!!", und das Konzert beginnt wenige Sekunden später. Bika wurde schon auf alle möglichen Arten und Weisen verdroschen. Als Gitarre, als Schlagzeug, und es wurde sogar mal versucht mit dem Mund zu spielen. Ein Universalinstrument, einfach toll. Unsere Freundin F. nannte dich beistert einen Klangkünstler, nachdem du ihr noch im Flur, ohne dass sie auch nur die Jacke ausziehen konnte, ein Konzert auf Bika, der Trommel und dem Xylophon gespielt hast. Dramatisch warfst du dabei die Arme nach oben und sangst auch noch ein Lied dazu.
Da bleibt natürlich kein Auge trocken!
Morgen mehr!
Love, Mama
2013/07/15
Eineinhalb Jahre. Verrückt.
Liebe Leser,
da bin ich wieder! Die letzten Wochen waren etwas stressig und vollgepackt, zu bieten habe ich: 1 Mittelohrentzündung (Levi), einige Kreislaufattacken (ich) und die eifrige Suche nach einem Haus (die ganze Familie). Bei letzterem haben wir vielleicht einen Treffer gelandet und befinden uns gerade in Verhandlungen. Ich halte euch auf dem laufenden-versprochen!
Jetzt aber:
Lieber Levi,
seit dem 05.07.2013 bist du genau 1,5 jahre alt. Wir haben soviel Spass zusammen. Die Welt ist eine Wundertüte für dich, die an jeder Ecke etwas neues, spannendes bereit hält. Der Weg von unserer Wohnung zum nächsten Spielplatz ist ca. 300 Meter weit, wir brauchen dafür aber eine gute halbe Stunde. Kein Stein und keine Pflanze ist zu langweilig um nicht daran stehen zu bleiben. Meistens schiebe ich den Kinderwagen, während du, nebenher laufend, neugierig alles genau unter die Lupe nimmst. "Dada?" (Jawoll-wir sind von DA! auf DADA! umgestiegen, wenn das kein Fortschritt ist!) - "Das ist ein Fenster.", "Dada?"-"Das ist ein Fahrrad.", "Dada?"- "Das ist ein Zigarettenstummel. NEIN, nicht anfassen!"-"Dada?" - "..........". Und so geht es fröhlich, bis wir am Bestimmungsort angekommen sind.
Mittlerweise weisst du auch, wie die Kuh macht ("Mmmmm"), der Löwe ("Aaaaaaah"), der Hund ("wawawa") und das Feuerwehrauto ("Tatatatata"). Überhaupt, Fahrzeuge im Allgemeinen und große Fahrzeuge im Besonderen gefallen dir ausgesprochen gut. Du hörst einen Krankenwagen oder ein Feuerwehrauto schon, wenn ich noch abwesend in die Gegend starre. Von deinem aufgeregten "DA! Tatatatata!" werde ich aber schlagartig jedesmal aus den Tagträumen gerissen. Jeden Dienstag morgen stehen wir passend zur Leerung der Mülltonnen am Fenster deines Zimmers und schauen dem Müllauto gebannt bei seiner faszinierenden Tätigkeit zu. Du jedenfalls. Ich beobachte derweil müde die Passanten und frage mich, ob ich doch mal eine Mode-Polizei für unsere kleine Stadt gründen sollte. Vielleicht könnte ich auch Schilder ans Fenster halten, auf denen Dinge wie: "Zurück nach Hause-Umziehen!", oder "In dieser Strasse gilt Dreiviertelhosenverbot!" stehen. Mal sehen.
Zurück zum Thema. Ich finde es wirklich interessant, dass du so doll auf Bagger und Autos abfährst, obwohl ich mich bewusst bei geschlechtsspezifischem Spielzeug und Büchern und allem zurück gehalten habe, weil ich fest der Überzeugung war, dass vieles am Verhalten von Kindern Sozialisation und Erziehung ist, und weniger Genetik. Du hast Autos und Puppen und Stofftiere, und wenn du irgendwann eine Barbie haben möchtest, würde mir nur das vermittelte Frauenbild Probleme bereiten, nicht aber die Tatsache, dass du so ein Ding haben möchtest. Wie sonst auch, finde ich es wichtig, dass du dich frei entfaltest, fern von Einschränkungen wie "Das machen Jungs nicht", oder "das ist Mädchenspielzeug, iiieh"). Letzeren Kommentar musste ich mir mal in der Krabbelgruppe von einer Mutti,die zum Glück nicht mehr da ist, anhören und habe mir das direkt verbeten. Das kommt früh genug. Freunde aus Hamburg erzählten mal, dass ihr vierjähriger Sohn die Mutter beim Nägellackieren beobachtet hatte, und daraufhin auch mal Nagellack tragen wollte. Und durfte. In der Kita wurde er dafür dann von Erzieherinnen (unmöglich!) und Kindern ausgelacht (schade).
Du, lieber Levi, findest jedenfalls alles was brummt super, und das was du super findest, finde ich auch gut. Im Moment jedenfalls noch. Das kann sich ja schnell ändern!
Auf dem Spielplatz ist die Schaukel immer noch das allerallerbeste. Wir haben neulich einen Spielplatz mit Babyschaukel, in der du alleine sitzen kannst, entdeckt und dort bist du überhaupt nicht mehr raus zu kriegen. Heute nachmittag habe ich dir alle fünf Minuten kräftigen Anschwung gegeben, und mich dann weiter mit den anderen Muttis unterhalten. Du sasst dort einfach ungerührt, hast keine Mine verzogen, und wenn ich alle Viertelstunde gefragt habe, ob du fertig mit schaukeln bist, hast du stumm und ernst den Kopf geschüttelt.
Ähnlich verhält es sich mit Kinderkarussells. Am Wochenende war im Dorf meiner Eltern Schützenfest (diese Veranstaltung ist eigentlich einen eigenen Post wert, ich sage nur soviel: wenn man seine Ex-Schulkameradinnen mit lila Strähnchen in der frechen Kurzhaarfrisur und antoupiertem Hinterkopf schunkelnd in der Menge entdeckt, ist man SPÄTESTENS froh, das Kaff irgendwann mal verlassen zu haben). Das Schützenfest beinhaltet neben betrunkenen Schützen in allen Strassengräben drei Highlights: die Pizzabude, der Süßigkeitenstand (Gummischnüre-yay!), und seit gestern auch das winzige Kinderkarussell. Der Fahrkartenverkäufer war gleichzeitig auch der Fahrkarteneinsammler und der DJ ("Ich will immer wieder dieses Fieber spüren") in Personalunion.
Tante Ruth und ich haben dich in das Feuerwehrauto gesetzt und von da an war kein halten mehr. Lässig den Ellenbogen aus dem Fenster gelehnt, mit der anderen Hand ab und zu das Lenkrad drehend, hast du dir den Fahrtwind um die Ohren wehen lassen. Jedesmal wenn die Tour zuende war, und wir dich herausheben wollten, hast du eine preisverdächtige Schüppe gezogen und wild den Kopf geschüttelt. Das hat deine arme Tante nicht ausgehalten und sofort beim Schalter neue Karten besorgt. "Ich kann nichts dafür, wenn er mich so traurig ansieht, müsste man ja ein Herz aus Stein haben!" Nach acht (!) Runden hatte ich aber genau das, und wir haben uns auf den Heimweg gemacht.
Zum Glück hast du bei der Rabenmutter eine so liebe Tante!
Love, Mama
da bin ich wieder! Die letzten Wochen waren etwas stressig und vollgepackt, zu bieten habe ich: 1 Mittelohrentzündung (Levi), einige Kreislaufattacken (ich) und die eifrige Suche nach einem Haus (die ganze Familie). Bei letzterem haben wir vielleicht einen Treffer gelandet und befinden uns gerade in Verhandlungen. Ich halte euch auf dem laufenden-versprochen!
Jetzt aber:
Lieber Levi,
seit dem 05.07.2013 bist du genau 1,5 jahre alt. Wir haben soviel Spass zusammen. Die Welt ist eine Wundertüte für dich, die an jeder Ecke etwas neues, spannendes bereit hält. Der Weg von unserer Wohnung zum nächsten Spielplatz ist ca. 300 Meter weit, wir brauchen dafür aber eine gute halbe Stunde. Kein Stein und keine Pflanze ist zu langweilig um nicht daran stehen zu bleiben. Meistens schiebe ich den Kinderwagen, während du, nebenher laufend, neugierig alles genau unter die Lupe nimmst. "Dada?" (Jawoll-wir sind von DA! auf DADA! umgestiegen, wenn das kein Fortschritt ist!) - "Das ist ein Fenster.", "Dada?"-"Das ist ein Fahrrad.", "Dada?"- "Das ist ein Zigarettenstummel. NEIN, nicht anfassen!"-"Dada?" - "..........". Und so geht es fröhlich, bis wir am Bestimmungsort angekommen sind.
Mittlerweise weisst du auch, wie die Kuh macht ("Mmmmm"), der Löwe ("Aaaaaaah"), der Hund ("wawawa") und das Feuerwehrauto ("Tatatatata"). Überhaupt, Fahrzeuge im Allgemeinen und große Fahrzeuge im Besonderen gefallen dir ausgesprochen gut. Du hörst einen Krankenwagen oder ein Feuerwehrauto schon, wenn ich noch abwesend in die Gegend starre. Von deinem aufgeregten "DA! Tatatatata!" werde ich aber schlagartig jedesmal aus den Tagträumen gerissen. Jeden Dienstag morgen stehen wir passend zur Leerung der Mülltonnen am Fenster deines Zimmers und schauen dem Müllauto gebannt bei seiner faszinierenden Tätigkeit zu. Du jedenfalls. Ich beobachte derweil müde die Passanten und frage mich, ob ich doch mal eine Mode-Polizei für unsere kleine Stadt gründen sollte. Vielleicht könnte ich auch Schilder ans Fenster halten, auf denen Dinge wie: "Zurück nach Hause-Umziehen!", oder "In dieser Strasse gilt Dreiviertelhosenverbot!" stehen. Mal sehen.
Zurück zum Thema. Ich finde es wirklich interessant, dass du so doll auf Bagger und Autos abfährst, obwohl ich mich bewusst bei geschlechtsspezifischem Spielzeug und Büchern und allem zurück gehalten habe, weil ich fest der Überzeugung war, dass vieles am Verhalten von Kindern Sozialisation und Erziehung ist, und weniger Genetik. Du hast Autos und Puppen und Stofftiere, und wenn du irgendwann eine Barbie haben möchtest, würde mir nur das vermittelte Frauenbild Probleme bereiten, nicht aber die Tatsache, dass du so ein Ding haben möchtest. Wie sonst auch, finde ich es wichtig, dass du dich frei entfaltest, fern von Einschränkungen wie "Das machen Jungs nicht", oder "das ist Mädchenspielzeug, iiieh"). Letzeren Kommentar musste ich mir mal in der Krabbelgruppe von einer Mutti,die zum Glück nicht mehr da ist, anhören und habe mir das direkt verbeten. Das kommt früh genug. Freunde aus Hamburg erzählten mal, dass ihr vierjähriger Sohn die Mutter beim Nägellackieren beobachtet hatte, und daraufhin auch mal Nagellack tragen wollte. Und durfte. In der Kita wurde er dafür dann von Erzieherinnen (unmöglich!) und Kindern ausgelacht (schade).
Du, lieber Levi, findest jedenfalls alles was brummt super, und das was du super findest, finde ich auch gut. Im Moment jedenfalls noch. Das kann sich ja schnell ändern!
Auf dem Spielplatz ist die Schaukel immer noch das allerallerbeste. Wir haben neulich einen Spielplatz mit Babyschaukel, in der du alleine sitzen kannst, entdeckt und dort bist du überhaupt nicht mehr raus zu kriegen. Heute nachmittag habe ich dir alle fünf Minuten kräftigen Anschwung gegeben, und mich dann weiter mit den anderen Muttis unterhalten. Du sasst dort einfach ungerührt, hast keine Mine verzogen, und wenn ich alle Viertelstunde gefragt habe, ob du fertig mit schaukeln bist, hast du stumm und ernst den Kopf geschüttelt.
Ähnlich verhält es sich mit Kinderkarussells. Am Wochenende war im Dorf meiner Eltern Schützenfest (diese Veranstaltung ist eigentlich einen eigenen Post wert, ich sage nur soviel: wenn man seine Ex-Schulkameradinnen mit lila Strähnchen in der frechen Kurzhaarfrisur und antoupiertem Hinterkopf schunkelnd in der Menge entdeckt, ist man SPÄTESTENS froh, das Kaff irgendwann mal verlassen zu haben). Das Schützenfest beinhaltet neben betrunkenen Schützen in allen Strassengräben drei Highlights: die Pizzabude, der Süßigkeitenstand (Gummischnüre-yay!), und seit gestern auch das winzige Kinderkarussell. Der Fahrkartenverkäufer war gleichzeitig auch der Fahrkarteneinsammler und der DJ ("Ich will immer wieder dieses Fieber spüren") in Personalunion.
Tante Ruth und ich haben dich in das Feuerwehrauto gesetzt und von da an war kein halten mehr. Lässig den Ellenbogen aus dem Fenster gelehnt, mit der anderen Hand ab und zu das Lenkrad drehend, hast du dir den Fahrtwind um die Ohren wehen lassen. Jedesmal wenn die Tour zuende war, und wir dich herausheben wollten, hast du eine preisverdächtige Schüppe gezogen und wild den Kopf geschüttelt. Das hat deine arme Tante nicht ausgehalten und sofort beim Schalter neue Karten besorgt. "Ich kann nichts dafür, wenn er mich so traurig ansieht, müsste man ja ein Herz aus Stein haben!" Nach acht (!) Runden hatte ich aber genau das, und wir haben uns auf den Heimweg gemacht.
Zum Glück hast du bei der Rabenmutter eine so liebe Tante!
Love, Mama
2013/05/06
16 Monate
Lieber Levi,
seit gestern bist du ganze energieleadene, fröhliche 16 Monate alt. Zufällig hatte auch deine Oma Geburtstag, und so konntest du bei dem schönen Wetter im niegelnagelneuen Sandkasten bei den Großeltern spielen und der Oma helfen den Garten zu harken. Deine Mutter hat derweil gemütlich in der Sonne gesessen und eineWeissweinschorle Apfelschorle getrunken.
Aus irgendeinem Grund liebst du Besen, sei es der eklige Besen aus unserem Hausflur (wem gehört der eigentlich?) oder der Terrassenbesen bei meinen Eltern. Und da ich versuche eine gute Mutter zu sein, habe ich dir neulich deinen höchsteigenen (sauberen) Kinderbesen aus Holz gekauft. Den liebst du so sehr, dass es für dich nicht mehr zumutbar ist, ohne ihn zu essen, zu baden, oder zu schlafen. Ich hoffe, die Phase geht schnell vorbei! Es stört dich überhaupt nicht, dass das Ding durch den langen Stiel etwas unhandlich ist, aber du bekommst ihn ja auch nicht dauernd an den Kopf, das ist deine Mutter. Die hält die Birne aber auch garantiert immer trottelig in den Weg. Nun ja.
Du weißt wo deine Nase, Mamas Nase, deine Ohren, Mamas Ohren, Beine, Füsse und Augen sind. Wenn man sagt: "Levi, mach mal Ei", dann streichelst du einem, mit all der grobmotorischen Sanftheit die dir möglich ist, über den Kopf.
Wenn ich dich morgens fertig angezogen habe, wackelst du gerne in deinen Puschen Richtung Wohnungstür und schleppst eifrig deine Schuhe an damit ich sie dir anziehe. Wenn ich Glück habe, sind es zwei gleiche. Dann entschwindest du wieder, man hört dich ächzen und schnaufen, und du stehst mit einem meiner Gummistiefel im Kinderzimmer. Was solls, er wird angezogen. Ein Turnschuh folgt. Her damit-wenn es dich glücklich macht. Jetzt wird ein neues Oberteil aus dem Schrank geholt und mir auffordernd hingehalten. Auf die Frage, ob du jetzt lieber dieses anhättest, nickst du sehr bestimmt mit dem Kopf. Denn Nicken und Kopfschütteln- damit kommst du gerade gut durch die Welt. Wenn du etwas nicht möchtest, drehst du denn Kopf engagiert nach links und rechts und machst in dringenden Fällen (noch etwas Spinat,Mäuschen?) noch eine abwehrende Geste mit der Hand (NEIN, DANKE, Mama!). Also ziehe ich dir den neuen Pulli an. Was der Herr wünscht- ist doch gern geschehen.
Wenn wir also beide zu deiner Zufriendenheit angezogen sind, gehen wir auf den Spielplatz. An guten Tagen habe ich überprüft ob ich zwei gleiche Schuhe anhabe.
Dort angekommen, isst du erstmal genüsslich ein paar Hände Sand, bis deine Mutter das bemerkt und etwas hektisch aber erfolglos versucht, dir den Mund auszuwischen. Ich schlage dann erstmal die Schaukel vor. Darauf hast du nur gewartet, denn schaukeln ist das allerallerschönste. Triumphierend stapfst du schonmal in die Richtung. Ich nehme dich dann auf den Schoß und wir schaukeln eine gefühlte Dreiviertelstunde, jedenfalls wenn sonst keiner ansteht. Du lehnst den Kopf an und geniesst. Dabei habe ich das Gefühl, dass der Akt des schaukelns für dich fast etwas meditatives hat. Wenn ich nach einer Ewigkeit anhalte und dich absetzen möchte, klammerst du dich an mir fest, nickst mehrmals mit Nachdruck und deutest so an, dass wir gerne noch ein, zwei Stündchen weiterschaukeln dürfen. Wenn es dem Herrn dann genehm ist, oder ein anderes Kind neben uns "schaukälllln, schaukällln!!!" schreit, begeben wir uns nach einem kurzen Zwischenstop an der Rutsche zurück zum Sandkasten. Ich backe dir ein paar Sandkekse, und jedesmal wenn ich ein Förmchen umdrehe, lachst du begeistert auf. Der Wahnsinn! Was die Mama alles kann! Mir ist schon klar, dass ich etwas mehr bringen muss, wenn du, sagen wir mal, 15 bist. Aber jetzt, jetzt reichen ein paar Sandkuchen. Auf dem Rückweg gibt es für jeden von uns einen Friand in unserem Lieblingscafé-ein kleiner Zuckerschock am Tag darf mittlerweile sein!
Was ist sonst noch neu? Du hast entdeckt, dass es nicht nur superwitzig ist wenn du gekitzelt wirst, nein, das kannst du doch selber auch! Also wird die Mama am Rücken, am Hals und an den Füssen gekitzelt und wir lachen uns beide kaputt.
Wenn du deinen geliebten Schnuller suchst, sagst du laut "WAHWAH, WAHWAH!" Zählt das schon als Wort? Deine Eltern verstehen auf jeden Fall was du meinst. Das Leben mit dir wird jeden Tag schöner und spannender, denn du lernst und entdeckst quasi stündlich neues. Wie man eine Flasche zudreht, wie man einen Schalter bedient, wo man an der Salatschleuder drehen muss. Man kann praktisch dabei zusehen, wie sich in deinem Hirn die Synapsen verknüpfen. Du weisst genau, in welcher Schublade sich deine Sesamstangen und anderen Snacks befinden, und gehst gerne wie selbstverständlich in die Küche und steckst deinen ganzen Oberkörper hinein. Nachdem wir dich mal mit einer Reiswaffel im Mund und einem Keks in jeder Hand erwischt haben, ist die Schublade abgeschlossen. Auch Eltern müssen lernen. Du liebst deine Bilderbücher, deine Stofftiere (Dada, Elmo und die Katze) und machst gerne mit Kochlöffeln und Töpfen Krach. Und bist trotzdem so lieb und anschmiegsam wie man es sich nur wünschen kann. Zum Einschlafen singe ich dir ein "Best-of-Schlaflieder"- Medley vor: "der Mond ist aufgegangen", "Weisst du wieviel Sternlein stehen", und der Evergreen "Lalelu". Meistens entschlummerst du dann sanft. Manchmal hast du aber auch überhaupt keine Lust zu schlafen oder bist noch gar nicht müde-dann wird halt nochmal im Kinderzimmer gespielt. Wenn ich nicht müde bin, kann ich ja beim besten Willen auch nicht einschlafen, deshalb verstehe ich das. Und als Mama kann man ja ein "ich muss mich noch etwas wälzen" von "ich bin wirklich nicht müüüüüde, ich könnte Bäunme ausreissen" unterscheiden. So haben wir auch Abends nie wirklich Stress. Ausser ich bin, im Gegensatz zu dir, todmüde und möchte einfach nur aufs Sofa. Aber da kannst du ja nix dafür, und den Schuh ziehst du dir auch nicht an-dann erst recht!
Ich versuche jeden Tag eine gute, geduldige, liebevolle Mutter zu sein. Ich weiß nicht, ob ich das schaffen werde, aber ich weiß, dass du es mir so einfach wie möglich machst.
Love, Mama
seit gestern bist du ganze energieleadene, fröhliche 16 Monate alt. Zufällig hatte auch deine Oma Geburtstag, und so konntest du bei dem schönen Wetter im niegelnagelneuen Sandkasten bei den Großeltern spielen und der Oma helfen den Garten zu harken. Deine Mutter hat derweil gemütlich in der Sonne gesessen und eine
Aus irgendeinem Grund liebst du Besen, sei es der eklige Besen aus unserem Hausflur (wem gehört der eigentlich?) oder der Terrassenbesen bei meinen Eltern. Und da ich versuche eine gute Mutter zu sein, habe ich dir neulich deinen höchsteigenen (sauberen) Kinderbesen aus Holz gekauft. Den liebst du so sehr, dass es für dich nicht mehr zumutbar ist, ohne ihn zu essen, zu baden, oder zu schlafen. Ich hoffe, die Phase geht schnell vorbei! Es stört dich überhaupt nicht, dass das Ding durch den langen Stiel etwas unhandlich ist, aber du bekommst ihn ja auch nicht dauernd an den Kopf, das ist deine Mutter. Die hält die Birne aber auch garantiert immer trottelig in den Weg. Nun ja.
Du weißt wo deine Nase, Mamas Nase, deine Ohren, Mamas Ohren, Beine, Füsse und Augen sind. Wenn man sagt: "Levi, mach mal Ei", dann streichelst du einem, mit all der grobmotorischen Sanftheit die dir möglich ist, über den Kopf.
Wenn ich dich morgens fertig angezogen habe, wackelst du gerne in deinen Puschen Richtung Wohnungstür und schleppst eifrig deine Schuhe an damit ich sie dir anziehe. Wenn ich Glück habe, sind es zwei gleiche. Dann entschwindest du wieder, man hört dich ächzen und schnaufen, und du stehst mit einem meiner Gummistiefel im Kinderzimmer. Was solls, er wird angezogen. Ein Turnschuh folgt. Her damit-wenn es dich glücklich macht. Jetzt wird ein neues Oberteil aus dem Schrank geholt und mir auffordernd hingehalten. Auf die Frage, ob du jetzt lieber dieses anhättest, nickst du sehr bestimmt mit dem Kopf. Denn Nicken und Kopfschütteln- damit kommst du gerade gut durch die Welt. Wenn du etwas nicht möchtest, drehst du denn Kopf engagiert nach links und rechts und machst in dringenden Fällen (noch etwas Spinat,Mäuschen?) noch eine abwehrende Geste mit der Hand (NEIN, DANKE, Mama!). Also ziehe ich dir den neuen Pulli an. Was der Herr wünscht- ist doch gern geschehen.
Wenn wir also beide zu deiner Zufriendenheit angezogen sind, gehen wir auf den Spielplatz. An guten Tagen habe ich überprüft ob ich zwei gleiche Schuhe anhabe.
Dort angekommen, isst du erstmal genüsslich ein paar Hände Sand, bis deine Mutter das bemerkt und etwas hektisch aber erfolglos versucht, dir den Mund auszuwischen. Ich schlage dann erstmal die Schaukel vor. Darauf hast du nur gewartet, denn schaukeln ist das allerallerschönste. Triumphierend stapfst du schonmal in die Richtung. Ich nehme dich dann auf den Schoß und wir schaukeln eine gefühlte Dreiviertelstunde, jedenfalls wenn sonst keiner ansteht. Du lehnst den Kopf an und geniesst. Dabei habe ich das Gefühl, dass der Akt des schaukelns für dich fast etwas meditatives hat. Wenn ich nach einer Ewigkeit anhalte und dich absetzen möchte, klammerst du dich an mir fest, nickst mehrmals mit Nachdruck und deutest so an, dass wir gerne noch ein, zwei Stündchen weiterschaukeln dürfen. Wenn es dem Herrn dann genehm ist, oder ein anderes Kind neben uns "schaukälllln, schaukällln!!!" schreit, begeben wir uns nach einem kurzen Zwischenstop an der Rutsche zurück zum Sandkasten. Ich backe dir ein paar Sandkekse, und jedesmal wenn ich ein Förmchen umdrehe, lachst du begeistert auf. Der Wahnsinn! Was die Mama alles kann! Mir ist schon klar, dass ich etwas mehr bringen muss, wenn du, sagen wir mal, 15 bist. Aber jetzt, jetzt reichen ein paar Sandkuchen. Auf dem Rückweg gibt es für jeden von uns einen Friand in unserem Lieblingscafé-ein kleiner Zuckerschock am Tag darf mittlerweile sein!
Was ist sonst noch neu? Du hast entdeckt, dass es nicht nur superwitzig ist wenn du gekitzelt wirst, nein, das kannst du doch selber auch! Also wird die Mama am Rücken, am Hals und an den Füssen gekitzelt und wir lachen uns beide kaputt.
Wenn du deinen geliebten Schnuller suchst, sagst du laut "WAHWAH, WAHWAH!" Zählt das schon als Wort? Deine Eltern verstehen auf jeden Fall was du meinst. Das Leben mit dir wird jeden Tag schöner und spannender, denn du lernst und entdeckst quasi stündlich neues. Wie man eine Flasche zudreht, wie man einen Schalter bedient, wo man an der Salatschleuder drehen muss. Man kann praktisch dabei zusehen, wie sich in deinem Hirn die Synapsen verknüpfen. Du weisst genau, in welcher Schublade sich deine Sesamstangen und anderen Snacks befinden, und gehst gerne wie selbstverständlich in die Küche und steckst deinen ganzen Oberkörper hinein. Nachdem wir dich mal mit einer Reiswaffel im Mund und einem Keks in jeder Hand erwischt haben, ist die Schublade abgeschlossen. Auch Eltern müssen lernen. Du liebst deine Bilderbücher, deine Stofftiere (Dada, Elmo und die Katze) und machst gerne mit Kochlöffeln und Töpfen Krach. Und bist trotzdem so lieb und anschmiegsam wie man es sich nur wünschen kann. Zum Einschlafen singe ich dir ein "Best-of-Schlaflieder"- Medley vor: "der Mond ist aufgegangen", "Weisst du wieviel Sternlein stehen", und der Evergreen "Lalelu". Meistens entschlummerst du dann sanft. Manchmal hast du aber auch überhaupt keine Lust zu schlafen oder bist noch gar nicht müde-dann wird halt nochmal im Kinderzimmer gespielt. Wenn ich nicht müde bin, kann ich ja beim besten Willen auch nicht einschlafen, deshalb verstehe ich das. Und als Mama kann man ja ein "ich muss mich noch etwas wälzen" von "ich bin wirklich nicht müüüüüde, ich könnte Bäunme ausreissen" unterscheiden. So haben wir auch Abends nie wirklich Stress. Ausser ich bin, im Gegensatz zu dir, todmüde und möchte einfach nur aufs Sofa. Aber da kannst du ja nix dafür, und den Schuh ziehst du dir auch nicht an-dann erst recht!
Ich versuche jeden Tag eine gute, geduldige, liebevolle Mutter zu sein. Ich weiß nicht, ob ich das schaffen werde, aber ich weiß, dass du es mir so einfach wie möglich machst.
Love, Mama
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| Besen?-check. Sandkasten?-check. Mehr braucht ein Levi nicht! |
2013/03/12
14 Monate
Liebster Levi,
14 Monate bist du schon! Dringend Zeit, mal wieder deinen aktuellen Entwicklungsstand festzuhalten.
Also:
Mittlerweile bist du ein richtiges Kleinkind, was nicht nur daran liegt, dass du fast nur noch läufst. Gut, das sieht immer noch so aus als würde ein betrunkener Zombie einem entgegenwackeln, aber du läufst und läufst, heute zum Beispiel fünf mal hintereinander um den Küchentisch. Einfach, weil das geht. Oft plumpst du noch unvermittelt auf den Hosenboden, da reicht schon eine Unebenheit im Boden oder eine Fliege, die an dir vorbei fliegt. Du fummelst immer noch gerne an Sachen herum, damit kannst du dich ewig beschäftigen. An Knöpfen drehen, Schachteln auf- und zumachen, Spielzeug auf Herz und Nieren untersuchen- das macht dir Spaß. Ausserdem liebst du Dinge wie Kochlöffel, Schaufeln oder Stöcke- wenn dir sowas in die Finger gerät, behälst du es am liebsten den ganzen Tag fest in der Hand. Und auch nachts, so wie kürzlich, als du die Plastikharke aus deinem Spielplatzequipment entdeckt hast und sie um keinen Preis wieder aus der Hand legen wolltest. Sogar mit ins Bett hast du sie genommen, und als ich dich tief und fest schlafend wähnte, wollte ich sie vorsichtig aus deinem festen Griff lösen. Oha! Kerzengrade sasst du im Bett, nahmst mir die Harke energisch aus der Hand, und hast dich direkt umgedreht und weiter geschlafen. Schuldigung, ich hatte ja keine Ahnung! (Aber wäre dein Mondbär oder Dada nicht gemütlicher gewesen?).
Dein Wortschatz ist immer noch, sagen wir, begrenzt. Um genau zu sein: "Daaaaa!" ist immer noch dein Lieblingswort. "Mama" hast du natürlich auch drauf, wie zum Beispiel am Sonntag als ich fragte: "Na, Mäuschen, wollen wir mal frühstücken?", und du sofort dein Spielzeug fallengelassen hast,schmatzend in die Küche gegangen bist und auffordernd "Mamaaa, Mamaaa!" gerufen hast. Nun ja. Ich habe gelesen, dass Kinder sich nur auf eine Sache konzentrieren können: entweder die Motorik oder die Sprachentwicklung. Du bist also gerade eindeutig mit der Motorik zugange.
Jeder, der dich kennenlernt,nennt dich einen Strahlemann, denn du bist meistens fröhlich und freundlich, strahlst fremde Menschen mit deinem charmanten Acht-Zähne-Lächeln an, und bist sowieso ganz wunderbar. Ach ja, deine Zähne-riesen Hauer sind das! Allerdings wachsen die ja auch nicht mit,oder?
Immerhin nutzt du sie endlich um zu essen. Du magst Spinat, Brokkoli, Fischstäbchen, Rührei, Kartoffeln-alles! Ich bin so froh, dass es endlich klappt. Nur Nudeln wollen dir einfach nicht schmecken. Hallo? Nudeln? Ernähren sich nicht Generationen von Kindern ausschliesslich von Nudeln? Wir warten mal ab. Dafür liebst du süsses. Du kannst ein Stück Kuchen zehn Meter gegen den Wind riechen, und da stellst du dich im Café auch einfach vor wildfremde Personen und zeigst wie wild mit deinem Finger auf den Teller: "Da! Daa! Daaa!" Letzte Woche auf dem Kinderflohmarkt hast du tatsächlich eine fremde Mutter dazu bekommen, dir die Hälfte ihrer Waffel abzutreten. Und dabei haben wir noch nicht mal was bei ihr gekauft!
Neuerdings kommst du von dir aus an und möchtest kuscheln- da schmilzt mein Mutterherz natürlich sofort. Es ist einfach zu süss. Dann lehnst du deinen kleinen Kopf an mein Gesicht oder mein Knie oder wo du gerade drankommst, verharrst ein paar Sekunden und machst dich wieder auf den Weg. Denn ein Levi hat immer etwas dringendes zu tun. Ist doch klar, verstehe ich. Du liebst es, in deinem Kinderzimmer herumzudödeln, während ich auf dem Teppich rumsitze und lese-Hauptsache ich bin in der Nähe. Gerne hören wir Musik (zur Zeit der "Girls" Soundtrack), und dann nehme ich dich auf den Arm und wir tanzen im Zimmer herum. Das findest du so gemütlich, dass du den Kopf an meine Schulter lehnst und geniesst. Und ich schliesse die Augen und stelle mir vor es ist wieder 2002 und ich tanze in einem schäbbigen Club in St. Pauli die Nacht durch. Bloss, dass ich heutzutage statt Minirock eine Jogginghose trage und es nicht vier Uhr morgens, sondern nachmittags ist.
Wir gehen immer noch zum Babytreff mit den anderen Muttis aus dem Vorbereitungskurs, zum Turnen und zur Krabbelgruppe. Und ab April geht der Musikgarten wieder los. Ick freu mir!
Deine Haare spriessen, allerdings noch immer nur hinten. Langsam siehst du wirklich aus wie Doc Brown aus "Zurück in die Zukunft". Heute Abend habe ich die Flusen das erste mal ein wenig gestutzt, weil meine Hebamme meinte dann würden sie überall dichter wachsen. Schaun wir mal! Ansonsten kommst du einfach nach meinem Onkel Derek. Was seltsam wäre, denn er war angeheiratet.
Du hast in deinem kurzen Leben bisher nichts böses kennengelernt, und ich hoffe, das bleibt noch lange so. Du kennst kein Geschimpfe, keine bösen Worte und du wurdest auch noch nie schreien gelassen.
Ich glaube, deshalb bist du so ein zufriedenes, gelassenes Kind.
Und deshalb bin auch ich gelassen!
You´re so easy to love.
Love, Mama
2013/02/23
Baby steps
Seit ein paar Tagen läuft Levi ganz alleine. Die ersten Versuche hat er ja schon Weihnachten hinter sich gebracht (siehe hier), aber jetzt läuft er ganz alleine, ohne seinen Rollator, und kreuz und quer durch die Wohnung. Wenn es ganz schnell gehen muss wird noch gekrabbelt, aber ansonsten wird gelaufen- die Arme in der Luft um das Gleichgewicht zu halten und im Gesicht ein verzücktes Lächeln: Mamaaaa, guck' mal, guck' mal, guck' mal!
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