...aber ich berichte auf besonderen Wunsch trotzdem noch von den anderen Dates.
Also, wen hatten wir denn da noch? Genau:
1. den Tigertanga
Das verrückte ist: den Tigertanga kenne ich schon ewig, und er war der erste richtige Freund den ich in Hamburg hatte. Am Anfang unserer Freundschaft gab es die üblichen Irrungen und Wirrungen wenn man jung ist und sich halbwegs attraktiv findet: man weiss noch nicht ganz, wo die Reise hingeht. Wir trafen uns zum spazierengehen und gingen zusammen in Ausstellungen, auf Parties und Konzerte. Er ist einer der wenigen, bei denen ich es nicht total schmalzig und übertrieben fand, an einem Sonntagmorgen beim Frühstück Gedichte oder Geschichten vorgelesen zu bekommen. Wir verstanden uns also prächtig, und nach meinem Ermessen lief das Ganze auf eine wunderbare, platonische Freundschaft hinaus. Bis es irgendwann zu dem heute berühmt-berüchtigten Unterwäscheskandal kam: eigentlich wollten wir nach der etwas mauen jährlichen Party der Hochschule für bildende Künste (HFBK) nur noch schnell einen Absacker bei mir zu Hause trinken (ist es eigentlich sehr naiv von mir, das wirklich zu glauben?), und ich tänzelte gerade mit zwei Likörchen aus meiner Küche heraus, da lag der der gute, nennen wir ihn aus Datenschutzgründen mal Egon, mit nichts als einem knappen Tigertanga bekleidet breitbeinig auf meinem Bett und raunte: "Du schuldest mir noch eine Nacht...". Bitte was? "Ich schulde dir gar nichts!" schleuderte ich empört zurück, exte schnell den Likör und schob Egon zur Tür hinaus. "Aber es regnet!" stammelte der noch, doch da fiel die Tür schon hinter ihm ins Schloss. Himmel, was war das denn?
Am nächsten Tag hat er sich wortreich und sehr beschämt für diesen Auftritt entschuldigt, und ausserdem den Ausfall auf "keine Lust mit dem Bus zurück zu fahren und zuviel Biergenuss" geschoben. Damit liess ich es gut sein und wir haben nie wieder darüber gesprochen. Er ist nämlich wirklich ein sehr netter Mensch, den ich immer wieder gerne treffe wenn er mit seiner Band bei uns in der Provinz spielt und mich einlädt. Dann trinken wir Schnaps zusammen und erinnern uns kichernd an die Zeiten, als er in einer WG mit 17 Chinesen über dem Penny auf der Reeperbahn gewohnt hat, und ich auf seine Frage, wie ich seine neue Band finde "So naja" geantwortet habe- 5 Jahre später hatten sie ein Nr. 1 Album. So kann man sich täuschen! Damals jedenfalls sassen wir gerne und lange Abends am Hafen, an diesem kleinen Platz zwischen Fischmarkt und (Ex)-Hafenklang, tranken billigen Wein von der Tankstelle, schauten in den Nachthimmel und redeten und redeten. Er war derjenige, der auf meine Ankündigung, ich würde am Wochenende 'nach Hause' fahren, als erster sagte: "Blinki, du bist zu Hause!" Recht hatte er.
2. der Erbsenkopf
Oh man, der Erbsenkopf! Das hab ich sowas von vermasselt, denn eigentlich fand ich den ganz gut.
Aber von Anfang an: der Erbsenkopf ist der beste Freund einer sehr guten Freundin aus Berlin, und auf einer tollen gemeinsamen Party, bei der zwar nichts lief, wir aber zusammen eine flotte Polka aufs Parkett gelegt hatten und uns ansonsten auch ganz prima verstanden, lud ich ihn aus einer Laune heraus zu mir nach Hamburg ein. Den Spitznamen 'Erbsenkopf' hat ihm übrigens mein Freund Ossi verpasst, der fand, dass der Kopf des jungen Mannes im Gegesatz zu seinem Körper unverhältnismässig klein sei. Mir war das so noch gar nicht aufgefallen, nach dieser Bemerkung konnte ich natürlich auf nichts anderes mehr achten. Logisch. Jedenfalls schien alles gebongt. Man geht zusammen etwas essen, dann etwas trinken und dann mal schauen, ob er das Gästezimmer wirklich braucht. Meine Freundin hatte mir noch gesteckt, dass er Gerüchten zufolge sehr gut im Bett sein solle. Das hätte sie aus äusserst verlässlichen Quellen- olala! Soviel kann ich an dieser Stelle schon verraten: ich habe es nie herausgefunden.
Der Abend lief gut an. Leckeres Essen, dann in eine der schäbbigsten Kneipen auf dem Kiez- einfach mal ehrlich am Brett abhängen dachte ich. Das ist subversiv, das kommt gut an! Zu der Zeit hielt ich mich fatalerweise, und wie ich heutzutage finde, unbegründet, in leicht angeschwipstem Zustand für viel charmanter und lockerer, deshalb hielt ich mich bei der Getränkebestellung nicht zurück: diverse Kurze wurden geordert. Leider habe ich es mit dem Mut antrinken ein wenig übertrieben, und war innerhalb kürzester Zeit jenseits von Gut und Böse. Natürlich konnte ich die Contenance noch so weit bewahren, dass man mir das nicht anmerkte. So dachte ich jedenfalls! Der Rest liegt im Nebel. Was man mir am nächsten Tag erzählte, ist folgendes: Irgendwann entschuldigte ich mich galant und verschwand auf die Toilette. Und tauchte nicht mehr auf. Der Erbsenkopf dachte sich zunächst nichts dabei und trank gemütlich sein Bier weiter. Als ich nach einer halben Stunde immer noch nicht wieder aufgetaucht war, entschloss er sich dazu auf den Toiletten nachzuschauen. Vielleicht war der Dame ja schlecht geworden? Auch nichts. Hm, vielleicht ist sie frische Luft schnappen gegangen....? Der arme Mann begab sich gerade in dem Moment nach draussen, als auf der anderen Strassenseite eine alte Bekannte vorbei schlenderte: Blinki!
Verwirrt überquerte er die Strasse. "Blinki, wo kommst du denn her?" - Blinki (fröhlich und überrascht): Du auch hier? Das ist ja ein Zufall, was machst du denn in der Stadt?"
Ich muss wohl kaum erwähnen, dass mich diese Amnesie nicht gerade attraktiver für den jungen Mann manchte, Erbsenkopf hin oder her.
Er übernachtete in meinem Gästezimmer und reiste am nächsten Tag fluchtartig ab.
Bis heute weiss ich nicht, wo ich herkam und wo ich hinwollte.
Tja, und damit kommen wir zu
Nr. 3 -dem Pony
An einem wunderschönen Herbstwochenende bekam ich Besuch von meinen besten Freundinnen, welche extra aus unserer Heimatstadt zu mir an die Elbe gereist waren. Wir kannten uns damals schon seit fünfzehn Jahren, und freuten uns immer wie verrückt auf solche Wochenenden voller Spass.
Wir hatten mal wieder einen Lauf. Tagsüber hatten wir einen Ausflug an die Ostsee gemacht, waren am Strand entlang geschlendert,hatten uns den Wind um die Ohren wehen lassen, um dann in einem kleinen Restaurant leckeren Fisch zu essen. Wie immer wenn wir zusammen sind, wurde viel und herzlich gelacht, und ich fühlte mich wohlig warm inmitten von Freundinnen, denen man nichts beweisen oder erklären muss. Das ist übrigens bis heute so, auch wenn unsere Leben mittlerweile in ganz unterschiedliche Richtungen wachsen.
Zurück in Hamburg liessen wir uns durch die üblichen Etablissements treiben, und landeten schliesslich in meiner Lieblingskneipe: der Mutter an der Stresemannstrasse. Die Mutter war damals so etwas wie mein verlängertes Wohnzimmer: irgendwelche Leute kannte man immer, und ich durfte sogar anschreiben. So ein Service! In dieser kleinen Souterrain-Bar haben sich in meiner Anwesenheit schon unglaubliche Szenen abgespielt, leider kann ich fast nichts davon zum besten geben. Allerdings habe ich mich schonmal von dem kleinen Münztelefon im Flur bei meinem damaligen Arbeitgeber,einer norddeutschen Sendeanstalt, zur Frühschicht krank gemeldet. Im Hintergrund tobte die Musik und ich sass auf dem Schoss eines bekannten Entertainers... aber so verantwortungslos war ich nur dieses eine Mal! Und ich hatte Geburtstag!
Wie auch immer, dort landeten wir jedenfalls und hatten ordentlich einen im Kahn. Wenn sich das jetzt so anhört, als hätte ich damals ein kleines Alkoholproblem gehabt, dann ist das falsch. Ganz falsch! Bloss passierten mit Alkhol immer noch seltsamere Dinge als ohne! Zum Beispiel, das ich mal mit einer fremden Brille und nur einem Schuh nach Hause kam! Aber zurück zur Mutter. An der Theke standen, völlig unerwartet und zu meiner Empörung, nur Fremde. Egal, wir quetschten uns dazwischen und bestellten Getränke. Die Bar ist sehr klein, und irgendwann kamen wir zwangsläufig mit den Umstehenden ins Gepräch. Besonders ein Gast hatte es mir angetan. In meiner Erinnerung war er gross gewachsen, hatte glänzendes schwarzes Haar und ein wunderschönes Lächeln. Meine Freundinnen behaupten bis heute, er wäre ein schmieriger Gigolo in schlecht sitzendem Anzug mit Hasenzähnen gewesen. Davon weiss ich nichts! Die Mädels konnten es also nicht fassen, und versuchten, mich mehr oder weniger subtil von diesem Typen weg zu locken. Nichts zu machen. Verzückt soll ich meiner Freundin immer wieder ins Ohr geflüstert haben: "Ist er nicht süss? Er sieht aus wie ein Pony!"-Sie: "Zu eins: NEIN. Und zu Zwei: GENAU!!??!!" Irgendwann musste ich mich beugen, und wurde von den Damen nach Hause geschleift. Allerdings nicht, ohne über meine Schulter noch schnell in den Raum zu rufen: "Ich komme wieder! Denn ich bin eine richtige UND erotische Frau!"
Wie gesagt, diese Geschichten werfen wirklich kein gutes Licht auf mich.
Gute Nacht!
Love, Blinki
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2014/07/01
2014/06/21
Nur mal so
Schaut ihr auch alle fleissig die Fussball-WM in diesen Tagen? Ich muss ja zugeben, dass ich die Massen-Public-Viewing Veranstaltungen eher furchtbar finde, und deshalb meide. Also meiden würde, wenn ich abends rausgehen könnte zur Zeit, haha! Heute Abend schaue ich zum Beispiel gemütlich mit Henri auf dem Sofa. Mein lieber Mann ist bei der Arbeit, und während das Baby verschnupft und unruhig auf meinem Arm schlummert, wandern meine Gedanken immer wieder zurück zum Sommer 2006, diesem Jahrhundertsommer, als die Fussball-Weltmeisterschaft in Deutschland stattfand. Ist das lange her! Damals lebte ich noch in Hamburg, mitten in der trubeligen Schanze, und hatte mich gerade von meinem Freund, dem leicht neurotischen Sänger einer Band getrennt. Die meisten WM -Spiele verfolgte ich mit meinen Freunden bei dem kleinen Portugiesen um die Ecke: dort stand einfach ein alter Holzfernseher auf drei Astrakisten und dazu gab es das gute portugiesische Sagres Bier.
Ich war also jung und ungebunden, und es war heiss, sehr heiss in Hamburg. Übrigens gibt es nichts schöneres als Sommer in Hamburg. Ausser Winter in Hamburg vielleicht. Jedenfalls wollte ich etwas erleben und mich irgendwie ablenken, und dass wir unsere Stammkneipen nach der Trennung quasi aufgeteilt hatten, um uns nicht dauernd sehen zu müssen, machte es auch nicht besser ("Ich nehm' die Mutter!" - "Na gut, aber dann nehme ICH den grünen Jäger!"). Mein Radius war also eingeschränkt, und so traf man mich, wenn ich nicht beim Portugiesen abhing, in diversen Lokalitäten, in die ich vorher noch nie einen Fuss gesetzt hatte. So kam es, dass ich mir eine Reihe bizarrer Dates anlachte.
Date 1: der Zwerg (politisch nicht korrekt, sorry)
fing auf einem Barhocker im Rosi's an, und wenn ich, bzw besser noch er, zwischendurch mal aufgestanden wäre, hätte der Abend vielleicht einen anderen Verlauf genommen. Aber so tranken wir diverse Schnäpse miteinander und lallten uns gegenseitig ins Ohr wie witzig und attraktiv wir uns finden. Ich glaube, ich lobte ihn sogar für seine tollen, voluminösen Haare und dass er aussehe wie Terence Hill. Wir waren uns einig, dass man sich unbedingt bald wieder treffen müsse. Es wurde sich tatsächlich zu einem WM- Spiel am nächsten Tag verabredet und ich verschwand schwankend mit einem eleganten "schüss habbich gesacht" in die Nacht. Am nächsten Tag, nüchtern, musste ich leider feststellen, dass aus Terence Hill eher Danny de Vito geworden war, staturmässig jedenfalls, und witzig fand ich ihn auch nicht mehr, eher prollig und bereute es, auch noch Pumps angezogen zu haben, denn neben mir sah Danny de Vito aus wie mein Sohn. Oder mein Opa.
Date 2: das Paillettenshirt
fing ähnlich an, nur dass es am nächsten Tag schneller zuende ging: der junge Herr, der mir am Vorabend noch äusserst attraktiv erschienen war, tauchte zu der Verabredung in einem hautengen, bauchfreien Shirt auf, auf das mit Pailletten "Beautiful" gestickt war. Da hab ich dann direkt meinem Freund Ossi die verabredete Not-SMS geschickt: "Du hattest Recht, du hattest Recht. Und du kannst später herzlich lachen, aber bitte ruf mich jetzt erst mal an und täusche ein krankes Meerschweinchen oder etwas ähnlich dringendes vor. BITTE!"
Date 3: der Headbanger
war eigentlich ganz lustig, wir lernten uns beim Kickern in der Cobra-Bar kennen und trafen uns ein paar Mal. Auch die Tatsache, dass er für seine Auftritte mit seiner Metal-Band immer eine Perücke mit arschlangen, schwarzen Haaren auf seine kurzen, blonden Haare setzten musste, um besser headbangen zu können, hätte ich ja irgendwie witzig gefunden, wäre das von ihm nich toternst gemeint gewesen.
weitere seltsame Dates in ungeordneter Reihenfolge:
der Erbsenkopf
der Tigertanga
das Pony
Wie gesagt, es war heiss, und im Herbst 2006 hatten wir uns alle abgekühlt,meine Torschlusspanik war vorbei und das Leben ging wieder etwas beschaulicher weiter.
Zum Glück trat zwei Jahre später mein Mann in mein Leben!
Love, Blinki
Ich war also jung und ungebunden, und es war heiss, sehr heiss in Hamburg. Übrigens gibt es nichts schöneres als Sommer in Hamburg. Ausser Winter in Hamburg vielleicht. Jedenfalls wollte ich etwas erleben und mich irgendwie ablenken, und dass wir unsere Stammkneipen nach der Trennung quasi aufgeteilt hatten, um uns nicht dauernd sehen zu müssen, machte es auch nicht besser ("Ich nehm' die Mutter!" - "Na gut, aber dann nehme ICH den grünen Jäger!"). Mein Radius war also eingeschränkt, und so traf man mich, wenn ich nicht beim Portugiesen abhing, in diversen Lokalitäten, in die ich vorher noch nie einen Fuss gesetzt hatte. So kam es, dass ich mir eine Reihe bizarrer Dates anlachte.
Date 1: der Zwerg (politisch nicht korrekt, sorry)
fing auf einem Barhocker im Rosi's an, und wenn ich, bzw besser noch er, zwischendurch mal aufgestanden wäre, hätte der Abend vielleicht einen anderen Verlauf genommen. Aber so tranken wir diverse Schnäpse miteinander und lallten uns gegenseitig ins Ohr wie witzig und attraktiv wir uns finden. Ich glaube, ich lobte ihn sogar für seine tollen, voluminösen Haare und dass er aussehe wie Terence Hill. Wir waren uns einig, dass man sich unbedingt bald wieder treffen müsse. Es wurde sich tatsächlich zu einem WM- Spiel am nächsten Tag verabredet und ich verschwand schwankend mit einem eleganten "schüss habbich gesacht" in die Nacht. Am nächsten Tag, nüchtern, musste ich leider feststellen, dass aus Terence Hill eher Danny de Vito geworden war, staturmässig jedenfalls, und witzig fand ich ihn auch nicht mehr, eher prollig und bereute es, auch noch Pumps angezogen zu haben, denn neben mir sah Danny de Vito aus wie mein Sohn. Oder mein Opa.
Date 2: das Paillettenshirt
fing ähnlich an, nur dass es am nächsten Tag schneller zuende ging: der junge Herr, der mir am Vorabend noch äusserst attraktiv erschienen war, tauchte zu der Verabredung in einem hautengen, bauchfreien Shirt auf, auf das mit Pailletten "Beautiful" gestickt war. Da hab ich dann direkt meinem Freund Ossi die verabredete Not-SMS geschickt: "Du hattest Recht, du hattest Recht. Und du kannst später herzlich lachen, aber bitte ruf mich jetzt erst mal an und täusche ein krankes Meerschweinchen oder etwas ähnlich dringendes vor. BITTE!"
Date 3: der Headbanger
war eigentlich ganz lustig, wir lernten uns beim Kickern in der Cobra-Bar kennen und trafen uns ein paar Mal. Auch die Tatsache, dass er für seine Auftritte mit seiner Metal-Band immer eine Perücke mit arschlangen, schwarzen Haaren auf seine kurzen, blonden Haare setzten musste, um besser headbangen zu können, hätte ich ja irgendwie witzig gefunden, wäre das von ihm nich toternst gemeint gewesen.
weitere seltsame Dates in ungeordneter Reihenfolge:
der Erbsenkopf
der Tigertanga
das Pony
Wie gesagt, es war heiss, und im Herbst 2006 hatten wir uns alle abgekühlt,meine Torschlusspanik war vorbei und das Leben ging wieder etwas beschaulicher weiter.
Zum Glück trat zwei Jahre später mein Mann in mein Leben!
Love, Blinki
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