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2013/01/22

Zurück aus der Zukunft

Leute, 
das waren schöne Tage in Berlin. Mir ist direkt wieder eingefallen, warum ich damals diesen Beruf gewählt habe. Zum Glück ist mir direkt danach wieder eingefallen, warum ich dann auch wieder aus der Branche ausgestiegen bin. Aber es war toll mal wieder Großstadtluft zu schnuppern, in einem vornehmen Hotel zu schlafen und an jeder Ecke alte Kollegen zu treffen. Und natürlich, natürlich habe ich mein Vorhaben einfach mal zwölf Stunden am Stück zu schlafen über den Haufen geworfen, und bin schön mit Freunden essen und feiern gegangen.
Auch habe ich meine beiden Jungs vermisst. Aber ich habe es viel besser ausgehalten als ich dachte und mein Mann hat selbstverständlich alles super gemacht, er war sich sogar nicht zu schade, an der ersten Stunde "Spiel und Bewegung für Kinder von 12-18 Monaten" teilzunehmen. Ein Kurs, für den ich Levi und mich vor einiger Zeit mit einigen Muttis aus unserer Runde angemeldet hatte. Die waren von seiner Anwesenheit natürlich begeistert, war er doch der einzige Mann und hatte sich vorgenommen, alles voller Elan mitzumachen, inclusive Windelgespräche. Wir haben im Nachhinein herzlich über eifrige Aussagen seinerseits wie "Wusstest du, dass Anni jeden Tag immer nur eine halbe Stunde am Stück schläft?" ("Ääääh, ja, ich treffe die Bande jede Woche?") gelacht. 
Das ich diesen Post schreibe, verdankt ihr liebe Leser, übrigens nur einer Tatsache: mein lieber Mann ist heute ins Kino gegangen um sich den neuen Tarantino anzuschauen. Wäre er Zuhause, würden wir wieder unserer neuen Leidenschaft nachgehen: Downton Abbey auf DVD anzuschauen. Was für eine tolle, spannende Serie! Wir sind gerade mit der ersten Staffel fertig, und zum Glück warten noch zwei weitere auf uns. England! Adel! Dienerschaft! Liebe, Intrigen, Krieg- es ist einfach zu herrlich. Am Ende des Abends sind wir meistens so mit der Handlung und den Figuren verschmolzen, dass wir leicht ungehalten darauf warten, dass ein Butler uns doch bitte endlich ein Schlückchen Portwein reichen möge. Aber dalli!


2012/06/15

Mutter sein


Schon lange bevor ich schwanger wurde, habe ich überall die gleichen Floskeln über das Mutterwerden gehört und gelesen: es ist eine dich umwerfende, bedingungslose Liebe; es ist als ob eine Hälfte deines Herzens jetzt ausserhalb deines Körpers herumläuft; es ist nichts mehr wie vorher. Diese Aussagen kamen mir immer vor wie leicht verklärte Mythen von der deutschen Mutter und ziemlich übertrieben. Jetzt, wo ich selber Mutter bin, muss ich feststellen: es IST eine bisher ungekannte Liebe und es IST als ob ein Teil meines Herzens jetzt ausserhalb meines Körpers herumläuft (Obwohl "herumlaufen" in diesem Fall wirklich stark übertrieben ist). Denn plötzlich ist man bereit, für so ein kleines Wesen wirklich alles zu tun, und ist in der Lage zu einer völlig ungekannten Selbstlosigkeit und Fürsorge. Ich zumindest. Nächtelang kaum Schlaf? Kein Problem! Völlig fremdbestimmt sein? Ist ok!
Und es ist nichts, aber auch wirklich nichts mehr wie früher.
Plötzlich  rühren mich Neugeborene auf eine ganz neue Art und Weise. Und auch ältere Kinder. Wenn ich schlimmes in den Nachrichten sehe oder lese, bei dem Kinder zu Schaden kamen, geht mir das viel näher als früher. Obwohl ich auch da nicht gerade ein Herz aus Stein hatte. Jetzt denke ich sogar bei einem 45jährigen, tätowierten Hells Angel, der was auf die Mütze bekommt: Oh nein, das ist doch jemandes Sohn, die armen Eltern!
Der Weg zum Wunschkind war bei uns aber auch alles andere als unkompliziert.
Levi kann ja mit Fug und Recht von sich behaupten, ein waschechtes Retortenbaby zu sein. Über den genauen Ablauf unserer Kinderwunschzeit an anderer Stelle mehr. Nur soviel möchte ich verraten: vor einem guten Jahr hatte ich Hormone, Punktion und Transfer hinter mir und musste nach einem positiven Schwangerschaftstest erstmal zwei Monate liegen, weil Blutungen auftraten und befürchtet wurde, dass ich den kleinen Wurm verliere.
Das war anstrengend und nervig und ich musste feststellen, dass ich so manche Britt-Folge ohne mit der Wimper zu zucken doppelt gesehen habe ("Leute, bevor es zu spannend für euch wird- er ist der Vater..."), aber es hat sich natürlich sowas von gelohnt! Und ich würde jederzeit auch die doppelt und dreifache Zeit liegen, wenn wieder so ein Knaller wie Levi dabei herauskäme. 
Mit der neuen Rolle als Mutter kamen neben dem überwältigenden Gefühl von Liebe auch neue, völllig ungekannte Ängste. Meine Tante ist im Alter von 35 Jahren an Krebs gestorben und hinterliess zwei kleine Jungs. Ich bin jetzt auch 35 und der Gedanke, mein Kind einer ungewissen Zukunft zu überlassen, ist für mich unerträglich. Obwohl da viele Menschen wären, die sich wunderbar um ihn kümmern würden, könnte doch niemand seine Mutter, mich, ersetzen. So arrogant bin ich dann doch!
Natürlich hat er einen tollen, liebevollen Vater. Und dann sind da Großeltern, Tanten, Onkel, und Freunde, die alle da sein würden. Aber die Mutter ist doch unersetzlich, oder? Es muss ja nicht zwingend die biologische Mutter sein, aber jedes Kind braucht doch eine Mutter, oder eine Mutterfigur! Eine, die es bedingungslos liebt, tröstet, unterstützt, anfeuert und auffängt. Eine die geduldig zuhört, Pflaster klebt, Plätzchen bäckt, Gechichten erzählt, Lieder singt und, ohne mit der Wimper zu zucken, an das Spielzeugtelefon geht wenn es klingelt. Die einen immer spitze findet, auch wenn man mit fünfzehn Make Up wie Alice Cooper und bodenlange Ledermäntel trägst, sich mit achtzehn  einen grünen Ziegenbart stehen lässt und dann zu allem Überfluss mit zwanzig beschliesst, in die FDP einzutreten (das wäre ein hartes Brot, würde ich mir aber mit einer Phase schönreden!). Das klingt jetzt ja doch sehr nach der deutschen Mutter...egal.
So habe ich jetzt eine ganz neue Angst um mich. Nicht wegen mir, sondern wegen Levi. Er braucht mich. Deshalb werde ich jetzt noch mehr als vorher alle Vorsorgen wahrnehmen und mich auch mal ordentlich durchchecken lassen. Sicher ist sicher!

2012/05/21

Das Wort zum Montag

Heute war Tante Ruth zu Besuch. Also Levis´Tante Ruth. Meine Schwester und Dirks Schwägerin. Also Tante Ruth. Levi hat sich vor Freude fast verrückt gestrampelt. Obwohl, wieso fast... er war kaum zu bändigen! Kaum war Tante Ruth wieder aus der Tür, fiel er in einen komatösen Schlaf, der bis jetzt anhält. Ich weiß gar nicht, was ich mit der babyfreien Zeit anfangen soll! Die Bude ist geputzt, die Wäsche gewaschen, die Kühlschrankfächer beschriftet, "die Geissens" schon fast vorbei...a propos-schaut hier ausser uns noch jemand die Geissens? Eine Hammerfamilie! Die schlagen meinen bisherigen Favoriten Frauentausch, und zwar um Längen!
Robert Geiss ist so ätzend, da fehlen sogar mir die Worte. Wenn ich seine gelbe Kauleiste schon sehe, brrr!
Was er dann noch sagt ist natürlich oberprollig und sexistisch, aber zum Glück bekomme ich das meistens nur noch durch einen Nebelschleier mit, weil ich von seinem unfassbaren Outfit geblendet bin und Angst habe, dass er noch einen Knopf von seinem Hemd aufmacht.
Dabei bin ich doch sonst so schmerzfrei! Die lange Frauentausch Nacht auf RTL2- bring mir einer das Popcorn! Bauer sucht Frau und  Schwiegertochter gesucht- gerne! Aber die Geissens tun mir weh.
"Rooooobeat"! Carmen ist nämlich auch unerträglich, aber bei ihr kann ich ganz gut wegschauen, vor allem wenn sie mal wieder aus dem 5. Stock in eine Jeggins gesprungen zu sein scheint. Ab einem gewissen Alter sehen nietenbesetzte Lederminiröcke niemals, aber wirklich niemals, sexy aus. Das hält It-Girls wie Ute Ohoven oder Claudia Effenberg natürlich nicht davon ab sie zu tragen. Auch ein T-shirt mit Strass-Totenkopf wird immer wieder gerne genommen. Dazu sage ich Nein! Wozu ich Ja sage: Chips, und zwar jetzt!
Und dann sortiere ich meine Pullover nach Farbe.
xoxo!