2014/07/01

Das wird jetzt kein gutes Licht auf mich werfen...

...aber ich berichte auf besonderen Wunsch trotzdem noch von den anderen Dates.

Also, wen hatten wir denn da noch? Genau:

1. den Tigertanga
Das verrückte ist: den Tigertanga kenne ich schon ewig, und er war der erste richtige Freund den ich in Hamburg hatte. Am Anfang unserer Freundschaft gab es die üblichen Irrungen und Wirrungen wenn man jung ist und sich halbwegs attraktiv findet: man weiss noch nicht ganz, wo die Reise hingeht. Wir trafen uns zum spazierengehen und gingen zusammen in Ausstellungen, auf Parties und Konzerte. Er ist einer der wenigen, bei denen ich es nicht total schmalzig und übertrieben fand, an einem Sonntagmorgen beim Frühstück Gedichte oder Geschichten vorgelesen zu bekommen. Wir verstanden uns also prächtig, und nach meinem Ermessen lief das Ganze auf eine wunderbare, platonische Freundschaft hinaus. Bis es irgendwann zu dem heute berühmt-berüchtigten Unterwäscheskandal kam: eigentlich wollten wir nach der etwas mauen jährlichen Party der Hochschule für bildende Künste (HFBK) nur noch schnell einen Absacker bei mir zu Hause trinken (ist es eigentlich sehr naiv von mir, das wirklich zu glauben?), und ich tänzelte gerade mit zwei Likörchen aus meiner Küche heraus, da lag der der gute, nennen wir ihn aus Datenschutzgründen mal Egon, mit nichts als einem knappen Tigertanga bekleidet breitbeinig auf meinem Bett und raunte: "Du schuldest mir noch eine Nacht...". Bitte was? "Ich schulde dir gar nichts!" schleuderte ich empört zurück, exte schnell den Likör und schob Egon zur Tür hinaus. "Aber es regnet!" stammelte der noch, doch da fiel die Tür schon hinter ihm ins Schloss. Himmel, was war das denn?
Am nächsten Tag hat er sich wortreich und sehr beschämt für diesen Auftritt entschuldigt, und ausserdem den Ausfall auf  "keine Lust mit dem Bus zurück zu fahren und zuviel Biergenuss" geschoben. Damit liess ich es gut sein und wir haben nie wieder darüber gesprochen. Er ist nämlich wirklich ein sehr netter Mensch, den ich immer wieder gerne treffe wenn er mit seiner Band bei uns in der Provinz spielt und mich einlädt. Dann trinken wir Schnaps zusammen und erinnern uns kichernd an die Zeiten, als er in einer WG mit 17 Chinesen über dem Penny auf der Reeperbahn gewohnt hat, und ich auf seine Frage, wie ich seine neue Band finde "So naja" geantwortet habe- 5 Jahre später hatten sie ein Nr. 1 Album. So kann man sich täuschen! Damals jedenfalls sassen wir gerne und lange Abends am Hafen, an diesem kleinen Platz zwischen Fischmarkt und (Ex)-Hafenklang, tranken billigen Wein von der Tankstelle, schauten in den Nachthimmel und redeten und redeten. Er war derjenige, der auf meine Ankündigung, ich würde am Wochenende 'nach  Hause' fahren, als erster sagte: "Blinki, du bist zu Hause!" Recht hatte er.

2. der Erbsenkopf
Oh man, der Erbsenkopf! Das hab ich sowas von vermasselt, denn eigentlich fand ich den ganz gut.
Aber von Anfang an: der Erbsenkopf ist der beste Freund einer sehr guten Freundin aus Berlin, und auf einer tollen gemeinsamen Party, bei der zwar nichts lief, wir aber zusammen eine flotte Polka aufs Parkett gelegt hatten und uns ansonsten auch ganz prima verstanden, lud ich ihn aus einer Laune heraus zu mir nach Hamburg ein. Den Spitznamen 'Erbsenkopf' hat ihm übrigens mein Freund Ossi verpasst, der fand, dass der Kopf des jungen Mannes im Gegesatz zu seinem Körper unverhältnismässig klein sei. Mir war das so noch gar nicht aufgefallen, nach dieser Bemerkung konnte ich natürlich auf nichts anderes mehr achten. Logisch. Jedenfalls schien alles gebongt. Man geht zusammen etwas essen, dann etwas trinken und dann mal schauen, ob er das Gästezimmer wirklich braucht. Meine Freundin hatte mir noch gesteckt, dass er Gerüchten zufolge sehr gut im Bett sein solle. Das hätte sie aus äusserst verlässlichen Quellen- olala! Soviel kann ich an dieser Stelle schon verraten: ich habe es nie herausgefunden.
Der Abend lief gut an. Leckeres Essen, dann in eine der schäbbigsten Kneipen auf dem Kiez- einfach mal ehrlich am Brett abhängen dachte ich. Das ist subversiv, das kommt gut an! Zu der Zeit hielt ich mich fatalerweise, und wie ich heutzutage finde, unbegründet, in leicht angeschwipstem Zustand für viel charmanter und lockerer, deshalb hielt ich mich bei der Getränkebestellung nicht zurück: diverse Kurze wurden geordert. Leider habe ich es mit dem Mut antrinken ein wenig übertrieben, und war innerhalb kürzester Zeit jenseits von Gut und Böse. Natürlich konnte ich die Contenance noch so weit bewahren, dass man mir das nicht anmerkte. So dachte ich jedenfalls! Der Rest liegt im Nebel. Was man mir am nächsten Tag erzählte, ist folgendes: Irgendwann entschuldigte ich mich galant und verschwand auf die Toilette. Und tauchte nicht mehr auf. Der Erbsenkopf dachte sich zunächst nichts dabei und trank gemütlich sein Bier weiter. Als ich nach einer halben Stunde immer noch nicht wieder aufgetaucht war, entschloss er sich dazu auf den Toiletten nachzuschauen. Vielleicht war der Dame ja schlecht geworden? Auch nichts. Hm, vielleicht ist sie frische Luft schnappen gegangen....? Der arme Mann begab sich gerade in dem Moment nach draussen, als auf der anderen Strassenseite eine alte Bekannte vorbei schlenderte: Blinki! 
Verwirrt überquerte er die Strasse. "Blinki, wo kommst du denn her?" - Blinki (fröhlich und überrascht): Du auch hier? Das ist ja ein Zufall, was machst du denn in der Stadt?"
Ich muss wohl kaum erwähnen, dass mich diese Amnesie nicht gerade attraktiver für den jungen Mann manchte, Erbsenkopf hin oder her.
Er übernachtete in meinem Gästezimmer und reiste am nächsten Tag fluchtartig ab.
Bis heute weiss ich nicht, wo ich herkam und wo ich hinwollte.

Tja, und damit kommen wir zu
Nr. 3 -dem Pony
An einem wunderschönen Herbstwochenende bekam ich Besuch von meinen besten Freundinnen, welche extra aus unserer Heimatstadt zu mir an die Elbe gereist waren. Wir kannten uns damals schon seit fünfzehn Jahren, und freuten uns immer wie verrückt auf solche Wochenenden voller Spass.
Wir hatten mal wieder einen Lauf. Tagsüber hatten wir einen Ausflug an die Ostsee gemacht, waren am Strand entlang geschlendert,hatten uns den Wind um die Ohren wehen lassen, um dann in einem kleinen Restaurant leckeren Fisch zu essen. Wie immer wenn wir zusammen sind, wurde viel und herzlich gelacht, und ich fühlte mich wohlig warm inmitten von Freundinnen, denen man nichts beweisen oder erklären muss. Das ist übrigens bis heute so, auch wenn unsere Leben mittlerweile in ganz unterschiedliche Richtungen wachsen.
Zurück in Hamburg liessen wir uns durch die üblichen Etablissements treiben, und landeten schliesslich in meiner Lieblingskneipe: der Mutter an der Stresemannstrasse. Die Mutter war damals so etwas wie mein verlängertes Wohnzimmer: irgendwelche Leute kannte man immer, und ich durfte sogar anschreiben. So ein Service! In dieser kleinen Souterrain-Bar haben sich in meiner Anwesenheit schon unglaubliche Szenen abgespielt, leider kann ich fast nichts davon zum besten geben. Allerdings habe ich mich schonmal von dem kleinen Münztelefon im Flur bei meinem damaligen Arbeitgeber,einer norddeutschen Sendeanstalt, zur Frühschicht krank gemeldet. Im Hintergrund tobte die Musik und ich sass auf dem Schoss eines bekannten Entertainers... aber so verantwortungslos war ich nur dieses eine Mal! Und ich hatte Geburtstag!
Wie auch immer, dort landeten wir jedenfalls und hatten ordentlich einen im Kahn. Wenn sich das jetzt so anhört, als hätte ich damals ein kleines Alkoholproblem gehabt, dann ist das falsch. Ganz falsch! Bloss passierten mit Alkhol immer noch seltsamere Dinge als ohne! Zum Beispiel, das ich mal mit einer fremden Brille und nur einem Schuh nach Hause kam! Aber zurück zur Mutter. An der Theke standen, völlig unerwartet und zu meiner Empörung, nur Fremde. Egal, wir quetschten uns dazwischen und bestellten Getränke. Die Bar ist sehr klein, und irgendwann kamen wir zwangsläufig mit den Umstehenden ins Gepräch. Besonders ein Gast hatte es mir angetan. In meiner Erinnerung war er gross gewachsen, hatte glänzendes schwarzes Haar und ein wunderschönes Lächeln. Meine Freundinnen behaupten bis heute, er wäre ein schmieriger Gigolo in schlecht sitzendem Anzug mit Hasenzähnen gewesen. Davon weiss ich nichts! Die Mädels konnten es also nicht fassen, und versuchten, mich mehr oder weniger subtil von diesem Typen weg zu locken. Nichts zu machen. Verzückt soll ich meiner Freundin immer wieder ins Ohr geflüstert haben: "Ist er nicht süss? Er sieht aus wie ein Pony!"-Sie: "Zu eins: NEIN. Und zu Zwei: GENAU!!??!!" Irgendwann musste ich mich beugen, und wurde von den Damen nach Hause geschleift. Allerdings nicht, ohne über meine Schulter noch schnell in den Raum zu rufen: "Ich komme wieder! Denn ich bin eine richtige UND erotische Frau!"

Wie gesagt, diese Geschichten werfen wirklich kein gutes Licht auf mich.
Gute Nacht!
Love, Blinki

Kommentare:

  1. Superh:-D haben wir nicht alle so schlechtes Licht werfende Geschichten? Nur wäre ich nie so mutig wie du sie zu erzählen:-)
    Danke dafür!

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    1. immer her mit den Geschichten :-)! Ich kann sie auch erst jetzt erzählen, nachdem ein bisschen Gras drüber gewachsen ist :-)...

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  2. Hach - super, super, super! Ich bin dir so dankbar, dass du meinen Wunsch erfüllt und die Sachen noch rausgehauen hast. Mir laufen jetzt noch die Lachtränen über die Wangen und ich bin natürlich überhaupt kein bisschen neugierig, um wen es sich bei Tiger-Egon handelt... ;) Und überhaupt kein bisschen neidisch auf das ausschweifende Hamburger Partyleben, dass du geführt hast...
    Alles Liebe vom Land
    Anne

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    1. Jetzt lebe ich ja auch auf dem Land. Und zwar richtig gerne! Und wer Tiger-Egon ist, verrate ich dir mal unter vier Augen :-). Liebst, Blinki

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