2013/04/24

Kitapopita

Ein ähnlich heikles Thema wie das attachment parenting ist ja die Kita- Frage. Denn auch hier gerät  man immer in Erklärungsnot oder zumindest ins Kreuzverhör, wenn man locker erzählt, dass das eigene Kind nicht in die Kita, sondern erst mit drei in den Kindergarten gehen wird."Hääää? Wieso das denn?" ist die gängige Frage auf diese Offenbarung. "Weil wir das so wollen!" ist die Antwort,die noch mehr Unverständnis hervorruft. Da wundere ich mich dann mal wieder. War das nicht früher ganz normal? 
Versteht mich nicht falsch: ich finde Kitas toll und richtig, und jede Familie sollte auch hier das machen, was für sie am besten funktioniert. Und als alte Emanze möchte ich auch noch betonen, dass es für die Unabhängigkeit der Frau total wichtig ist arbeiten gehen zu können, wenn sie muss oder möchte, und ihr Kind dabei gut betreut zu wissen. In Skandinavien oder Frankreich ist das eine Selbstverständlichkeit, schon bei sehr kleinen Kindern.
ABER: wir machen es halt anders. Ich habe mich bewusst entschieden, die ersten drei Jahre komplett zu Hause zu bleiben um mich um Levi zu kümmern. Ich finde es einfach schön, ihn aufwachsen zu sehen und jeden kleinen Entwicklungsschritt aus erster Hand mitzubekommen. Vor ein paar Tagen hat er auf dem Spielplatz das erste mal genüsslich eine Handvoll Sand gegessen-nicht auszudenken wenn ich das verpasst hätte! Von ersten Schritten, ersten Worten und so vielem mehr mal ganz zu schweigen. Ich bin natürlich in der glücklichen Situation, dass wir das können. Mir ist schon bewusst, dass einige auch lieber länger zu Hause blieben, aber Angst um ihren Job haben oder einfach Geld verdienen müssen. Und andere Wollen gerne arbeiten, weil ihnen die Decke zu Hause auf den Kopf fällt und das ist auch verständlich und völlig in Ordnung.
Meine Mutter ist Lehrerin. Und damals, in den Siebzigern, sechs Wochen nach beiden Geburten wieder arbeiten gegangen. In der Zeit hatten wir dann eine Betreuung, die dann zu uns nach Hause kam. Die Vorläuferin der modernen Tagesmutter sozusagen. Geschadet hat es uns nicht, und auch die Bindung zu meiner Mutter war ganz normal und eng. Aber ich hätte das mit Levi einfach nicht gekonnt,zumal ich ihn ja auch voll gestillt habe. Und so einen kleinen Wurm in fremde Hände (egal wie liebevolle)zu geben, hätte ich nicht übers Herz gebracht.
Unser Modell sieht so aus: im Moment haben wir das klassische Rollenmodell: ich bin zu Hause, mein Mann arbeitet. Ab September (mit 20 Monaten) geht Levi an zwei Vormittagen in der Woche von 9.00 bis 12.00 in eine Spielgruppe zur Vorbereitung auf den Kindergarten, der geht dann ganz normal mit drei Jahren los. 
In unserer Muttirunde bin ich übrigens die einzige, die das so macht. Alle anderen Kinder gehen in die Kita. Der erste mit acht Monaten schon letzten Sommer, die anderen jetzt mit 15,16 Monaten. Da frage ich mich immer: warum sind wir solche Exoten? Manchmal kommt es mir so vor, als gehöre es einfach dazu, oder zum guten Ton das Kind in die Kita zu geben, auch wen man das wirtschaftlich nicht muss. 
Und überhaupt, verpasst Levi jetzt etwas? Ich glaube nicht.
Kontakte zu anderen Kindern hat er jede Menge: jeweils einmal die Woche Muttirunde, Musikgarten und Turnen. Und er hat Zeit mit mir: Zeit, in der wir spielen, tanzen, backen und Quatsch machen. Diese Zeit bekommen wir so nie wieder, und haben dadurch eine besondere, schöne Bindung.
Ich denke, für ihn ist diese sanfte Methode des Übergangs einfach die beste Form. Denn, wie unsere charmante Französin aus der Muttirunde gerne sagt: "Cherie, Levi ist einfach sensibel".Und das stimmt, er ist sensibel und anhänglich und lieb.
Diese drei Jahre mit mir zu Hause, die schenke ich uns beiden. Ab dem Kindergartenalter sind die Kleinen dann ja sowieso quasi aus dem Haus: Schule, Sportverein, Freunde-da ist die Mutti irgendwann abgemeldet. Und das ist ja auch gut so.
Aber diese ersten drei Jahre, die gehören uns.

Kommentare:

  1. Können wir uns BITTE mal treffen? Du schreibst mir aus der Seele! :-)
    Wir hatten das Kindi für dieses Jahr angemeldet, weil das alle so gemacht haben. Dann haben wir ja keinen Platz bekommen und waren froh. Unser Bauchgefühl war ganz klar. Das Kindi geht erst nächstes Jahr. Dann bekamen wir letzte Woche noch eine Zusage, den Platz haben wir aber abgelehnt. Das hat hier aber kaum einer verstanden. Wir sind uns sicher, dass es für das Kindi und uns die richtige Entscheidung ist und genießen noch die Zeit bis zum "Institutionenstart". Und nächstes Jahr sind Levi und das Kindi ja sogar auch noch u3, wenn die Kita startet, haben also noch ewig Zeit...
    Liebe Grüße!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Frau Nilsson,
      danke dür den schönen Kommentar! Ihr macht es genau richtig-auf das Bauchgefühl zu hören ist immer das beste. So haben wir das auch gemacht und ignorieren die blöden Kommentare, von den "Glucke" und "verwöhntes Kind" nur einige sind. Wir haben keinen Moment an der Entscheidung gezweifelt.
      Liebe Grüsse! Ps: Wo wohnt ihr denn? :-)

      Löschen
  2. Hallo Blinki,

    find ich toll, wie du das machst! Hatte selbst ein Jahr EZ und dann wurde mir mit jedem Tag das Herz schwerer, so daß ich verlängert hab und in dieser Zeit bin ich durch Kryo ss geworden. Bin jetzt im Beschäftigungsverbot und nehm beim 2. zwei Jahre EZ.
    Finde auch, man sollte gerade die wichtigsten ersten Jahre nicht verpassen, da tut sich sooooo viel, jeden Tag was neues! Bin jetzt auch wieder rundum zufrieden und glücklich und froh, daß ich die wertvolle Zeit mit meinem Kind nicht durch arbeiten genommen kriege!
    Wenn die Kinder nachher größer sind, werden sie eh öfter außer Haus sein und dann kann ich auch wieder arbeiten, aber diese ersten wertvollen Jahre nimmt mir keiner!
    Alles Liebe dir und Levi,

    Anna

    AntwortenLöschen